Totgeschriebene leben länger
Verkehrte Netzwelt: Jobs ist tot, es lebe Jobs
Moritz Zielenkewitz
Schön, dass Sie diesen Nachruf lesen. Er ist Ihnen gewidmet, Mr. Jobs, denn Sie sind tot - auch wenn Sie es noch nicht gemerkt haben. So hätte sich Steve Jobs gefühlt, wenn er Mittwoch Nacht die Seiten der amerikanische Nachrichtenagentur Bloomberg im Internet besucht hätte.
Ein versehentlicher Nachruf auf eine Person, die noch mit beiden Beinen im Leben steht - ein durchaus peinlicher Fehler, den Bloomberg fabriziert hat. Solche Nachrufe von Personen des Zeitgeschehens in der Hinterhand zu haben, ist nicht ungewöhnlich. Im Fall von Steve Jobs bekommt der Fauxpas jedoch zusätzliche Brisanz: Denn dessen Krebserkrankung war mehrfach Grund zur Beunruhigung. Jedes neues Gerücht wirkt sich gerne auch mal auf den Apple-Kurs aus - so tickt die Börse.
Die Wahrheit ist irgendwo da draußen
Bei diesem Bloombergschen Fehler in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag war der Nachruf dann auch recht schnell wieder verschwunden. Aber mal angenommen, niemand glaubt an ein Versehen und Sie selbst befinden sich gerade im Urlaub im tiefsten Ozeanien? Oder anders: Wenn niemand an der Millenium-Katastrophe zum Jahr 2000 gezweifelt hätte? Einfach jeder steif und fest behauptet hätte, Deutschland wäre Europameister geworden?

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Für tot befunden: Steve Jobs' Nachruf.
(Klick vergrößert.)
Der Glaube versetzt Berge, sagt man. Und es heißt auch, dass Wahrheit demokratisch gebildet wird. Wenn also die Mehrheit einer Falschinformation - und sei sie auch so unerfreulich wie der vermeintliche Tod des Apple-Chefs - glaubt und vertraut, kann sie dadurch wahr werden? Im Fall von Jobs wohl nicht: Er könnte von so ziemlich überall kurz eine Nachricht an alle iPhone-Kunden absetzen, dass bei ihm alles bestens sei - KillSwitch sei Dank.
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