Demnächst dürfen Inhaftierte nur noch jugendfreie Spiele spielen
GTA IV und Co.: Jugendfreier Gegenwind im Knast
Gaming
Gitterstäbe, zehn Quardratmeter, graue Wände, meist mit nackten Frauen bedeckt: Die Gefängniszelle ist kein schöner Ort. Für Abwechslung zwischen Hofgang und Essen sorgen oftmals Konsolenspiele. Nun kommen auf britische Gefängnis-Insassen noch härtere Zeiten zu. Ab September 2008 sind dort Videospiele mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren hinter schwedischen Gardinen verboten.
Der Grund hierfür scheint klar: Nicht jugendfreie Spiele haben einen schlechten Ruf. Gewaltverherrlichende Spiele fördern Agressionen und sollen dazu die Spielenden negativ isolieren. So jedenfalls sehen es die meisten kritischen Stimmen. Viele Politiker fordern weltweit das Verbot von Gewaltspielen, in denen Blut in Strömen fließt.
FSK18 verboten, FSK16 erlaubt
Wer spielen darf und vor allem was, entscheiden die Gefängnisse aber weiterhin selbst. Auf der Verpackung darf nur kein FSK18-Aufkleber prangen. Somit haben Titel wie Grand Theft Auto IV keine Chance mehr, ihren Umsatz auch hinter Gittern zu steigern. Doch bis zum 30. September sind GTA IV und Co. weiterhin erlaubt. Häftlinge müssen sich aber schon jetzt auf eine härtere Gangart einstellen.
GTA IV: Eine kleine Einführung
Bevor sie sich an der Konsole vergnügen dürfen, ist eine Bewährungszeit von einem halben Jahr angesetzt. Dieses Vorgehen ist auch in Deutschland schon gang und gäbe. Auf Anfrage von netzwelt bestätigt die Revisionsabteilung der Justizvollzuganstalt Fuhlsbüttel, dass nur Spiele gespielt werden, die von der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) das FSK16-Siegel erhalten haben.
Alle Spiele mit FSK18 sind damit in Gefängnissen verboten. Wenn man sich die GTA IV-Handlung anschaut, könnte man dieses Vorgehen sogar verstehen. Die Resozialisierung fängt im Gefängnis an und hört bei Gewaltspielen auf. Viele Häftlinge sitzen nicht wegen Falschparken ein. Mörder, Vergewaltiger, Schläger müssen laut den meisten Gesetzesgebern von Gewalt, und kommt sie auch nur in Spielen vor, ferngehalten werden.
Selbstmordgefährdete sollen mehr spielen
Das erklärt zwar zum einen, warum jetzt die englische Regierung die neu angeschafften 80 Playstations 3 und 15 XBoxes 360 nur für Jugendliche freigegeben hat - anscheinend sind laut englischen Politikern unter den Jugendlichen weniger Schwerst-Kriminelle. Zum anderen muss man aber auch Zweifel hegen: Denn ab dem 30. September könnte der Hang zum Selbstmordversuch stark ansteigen, eben weil diese Gefährdeten strikte Erlaubnis haben, XBox oder Playstation zu spielen. "Gefangenen, die unter so genannten Selbstmord-Verhinderungsmaßnahmen geführt werden, wird der Zugang zu einer Spielkonsole erlaubt, um sie von ihren Mordgedanken abzulenken", so ein englischer Regierungssprecher gegenüber BBC.
Es scheint nachvollziehbar zu sein, für die Insassen nur Spiele ab 16 zuzulassen. Wenn man sich aber einige Spiele ab 16 anschaut, muss das gesamte justiziare Vorgehen hinterfragt werden. Ob Assassins Creed oder Blacksite: Beide Spiele haben die Jugendfreigabe und dennoch geht es in beiden Spielen ums Töten - auch wenn in beiden nicht wirklich Gewalt verherrlicht wird. Es bleibt also abzuwarten, welches Level als nächstes folgt.
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