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14.07.2008
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Microsoft ohne Bill Gates könnte klappen - muss es aber nicht

Bill Gates: Portrait eines Genies

Markus Henkel

Und in der Tat wurde keine der revolutionären Ideen von Microsoft selbst erfunden oder gar zuerst auf den Markt gebracht. Gates hatte aber ungeheures Talent, die innovativen Ideen anderer als Erster zu erkennen und daraus Kapital zu schlagen. Auch wenn sein unscheinbares Äußeres schon öfter Anlass gab, ihn zu belächeln, erwies er sich stets als knallharter Geschäftsmann und besessen vom eigenen Erfolg. Zum Erreichen seiner Ziele schreckte Gates anscheinend nicht vor skrupellosen Mitteln zurück. So beißt sich seit Jahren das amerikanische Justizministerium am Monopol von Microsoft die Zähne aus.

Das erste Windows: Jahrgang 95

Im Jahre 1995 kam das OS Windows 95 auf den Markt - und während alle Welt die Monopolstellung von Microsoft kritisierte, realisierte Gates, dass er eine entscheidenden Chance übersehen hat: das Internet. Die damals noch recht dürftige Internet-Realisierung brachte auch andere Unternehmen dazu, Produkte für den Home-Entertainment-Bereich zu entwickeln. Hier schaffte sich Gates eine unglaubliche, bis heute bestehende Marktherrschaft ein.

Gates versuchte bis zu seinem Abgang im Juni 2008, seinen Kunden in diesen Entertainment-Bereich zu locken, gründete die Firma Corbis und kaufte Rechte an Millionen Bildern. Bei seinen PC-Vertriebspartnern setzte er dazu rücksichtslos seinen mit dem Betriebssystem vertriebenen Internet Explorer ein, um gegen den Netscape Navigator energisch und erfolgreich anzutreten. Als ihm dafür der Prozess gemacht wurde, wirkte der reichste Mann der Welt schließlich wie ein psychisch-verstörter Schuljunge.

In diesem Verfahren bestritt Gates die ihm vorgeworfenen unfairen Attacken auf seine Konkurrenten. Sein unsicherer Auftritt im Kartellverfahren wirkte sich aber dennoch sehr negativ auf seine Glaubwürdigkeit aus und dürfte auch einer der Gründe sein, weshalb Gates im Jahr 2000 als Chief Executive Officer (CEO) abtrat. Mit Steve Ballmer engagierte Gates einen perfekten Statthalter, der ihm bis heute den Laden zusammen hält - mit in Youtube-Videos präsentierten Führungs- und Motivationsmethoden, die andernorts wohl den Sektenbeauftragten auf den Plan rufen würden (siehe dazu das Video).

Gates erscheint meist gegenüber Bad Boy Ballmer wie der sanfte großer Bruder.

Bis heute hat das Unternehmen mehrere Klagen abwehren können, aber auch wegen der Monopolstellung Millionen Dollar Strafe zahlen müssen. Schwierigkeiten macht auch der Boom rund um Google, das Internet und Open Source. Microsofts schwerfällige Programme und der Lizenzwahn der Firma beflügeln immer wieder Alternativprojekte wie eben die Open-Source-Gemeinde: Hier sei das OS Linux in seiner Vielfältigkeit zu erwähnen.

Ein Monopolist ohne Bill

In den Jahren baute Microsoft seine Stellung als Monopolist immer weiter aus und wird es auch weiterhin tun. Ob Windows 98, Windows XP, Vista oder Windows Mobile: Der Gigant unter den Softwareherstellern wird auch ohne den lächelnden Bill an der Spitze bleiben, weiterhin Klagen abwehren müssen und hoffentlich das Problemkind Vista verbessern.

Doch über Klagen, Open Source, freie Software oder Gratis-Zugänge zu Informationen muss Bill Gates sich jetzt nicht mehr ärgern. Am 28. Juni verabschiedete er sich von der großen Bühne und lebt mit seiner Frau Melinda in einem computergesteuerten, voll automatisierten Haus am Ufer des Lake Washington und kümmert sich um höhere Werte. So betreibt er die mächtigste und reichste Stiftung der Welt: Die Bill Melinda Gates-Foundation, die oft als monopolistisch kritisiert wird. Aber wie sagt man so schön: "You always have to pay the Bill."


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