Microsoft ohne Bill Gates könnte klappen - muss es aber nicht
Bill Gates: Portrait eines Genies
Markus Henkel
Schon in der Schule war der Herr ein kleines Wunder. Er brillierte in der Schule natürlich in seinem Lieblingsfach Mathematik und wurde schon in jungen Jahren gefördert. So schaffte die Privatschule Lakeside School in Seattle, auf die er ging, einen Fernschreiber des Typs ASR-33 an und der junge Gates liebte es, darauf zu programmieren. Diese Fähigkeit verschaffte ihm oft die Freistellung vom Mathematikunterricht.
Inhalt
- Jung, neugierig und das erste Geld
- IBM: Ein Auftrag, der eine Erfolgsgeschichte beschreibt
- Microsoft: Noch konkurrenzlos
- Das erste Windows: Jahrgang 95
- Ein Monopolist ohne Bill
Jung, neugierig und das erste Geld
Ende der 1960er Jahre begann der schüchterne Wunderknabe aus Seattle sich für die noch neue und anscheinend schlafende Computertechnologie zu faszinieren. Gemeinsam mit seinem Freund und späteren Microsoft-Mitgründer Paul Allen entwickelt Gates im Alter von 14 Jahren sein erstes Produkt: Traf-o-Data, ein Softwareprogramm zur Zählung von Verkehrsströmen. Drei Jahre später verkauft Gates seiner Schule ein Buchhaltungsprogramm - für die Summe von 4.200 Dollar.
Eine Erfolgsstory: Microsoft Windows.
1973 schaffte Gates den Sprung an die Harvard-Universität. Er studierte dort Mathematik, verbrachte seine Zeit aber überwiegend im Computerraum. Im Dezember 1974 entwickelte er zusammen mit Allen innerhalb weniger Wochen einen BASIC-Interpreter für den neu auf den Markt kommenden Heimcomputer Altair 8800. Ein Einstieg in die Computerbranche war damit schon programmiert.
IBM: Ein Auftrag, der eine Erfolgsgeschichte beschreibt
1975 war es dann soweit: Gates gründete gemeinsam mit Allen die Firma Microsoft. Schon fünf Jahre nach der Gründung kam die Chance, die den kometenhaften Aufstieg vom Garagenunternehmen zum Weltkonzern bedeutete. Durch Zufall erhielt Gates nämlich den Auftrag, für IBM ein PC-Betriebssystem zu liefern. Er willigte ein, ohne ein derartiges System überhaupt zu haben. Nicht einmal die Gedanken an ein solches System waren gesponnen. Gates musste also schnell an ein System gelangen, mit dem er den Vertrag erfüllen konnte. Aber woher nehmen und nicht stehlen?
Diese prekäre Situation löste Gates, wie es heute anscheinend schon zur allgemeinen Unternehmens-Philosophie gehört: Er kaufte kurzerhand die Rechte an einem System, in diesem Falle hieß es "Qdos" für 50.000 Dollar und verschaffte der in Geldnöten steckenden Firma Seattle Computers Products (SCP) damit wohl auch ein wenig Luft. Bill Gates lizenzierte es unter dem Namen seiner neuen Firma als "Microsoft Disk Operating System", kurz: MS DOS.
Microsoft: Noch konkurrenzlos
Der Erfolg des PCs und Operationssystems (OS) wird sein eigener. Der Coup war, das Betriebssystem zum System aller Computer zu machen, die in der Welt entwickelt wurden - welches zu damaligen Zeiten noch nicht viele waren. Dennoch kamen kurz nach Einführung große Gewinne, große Schlabberhosen und die übergroße Brille. Die Letzteren waren bis zu seinem Abgang ein Markenzeichen. Seine One-Man-Shows, bei denen er neue Produkte vorstellte, waren legendär und wurden von anderen Größen wie beispielsweise Apple-Boss Steve Jobs kopiert.
Doch bei dem Wettstreit um die Marktanteile der Betriebssysteme bleibt Apple, trotz ähnlicher Firmenpolitik, weit hinter dem heute geschimpften Monopolisten zurück. Noch immer laufen rund 90 Prozent aller PCs mit Microsoft-Betriebssystemen. Mit der wachsenden Macht von Microsoft wurde Bill Gates zunehmend auch zum Feindbild in der Computerbranche. Denn für viele ist er nicht der geniale Visionär, sondern rücksichtsloser Scharlatan, der die innovativen Ideen anderer nur kopiert und besser vermarktet hat.
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