Diskussion um Flash-Speicher
Fujitsu-Siemens kritisiert Solid-State-Technik
Mehmet Toprak
Notebooks mit Solid-State-Laufwerken liegen schwer im Trend. Die meisten großen Hersteller wie Dell, Asus, Apple oder Acer bringen Modelle mit Flash-Speicher auf den Markt. Leise, sparsam, schnell und lautlos, mit diesen Vorteilen soll die neue Technik glänzen. Nur Fujitsu-Siemens will offenbar nicht auf den Zug aufspringen.
Branchenbeobachter haben sich in den letzten Wochen schon gefragt, ob die Manager bei Fujitsu-Siemens da nicht gerade einen wichtigen Trend verschlafen. Doch offenbar gibt es gute Gründe dafür, warum der IT-Gigant vorläufig noch auf herkömmliche Technik setzt. Das ergibt sich aus einem Interview, das Fujitsu-Topmanager Joel Hagberg (Vice President of Business Development) der Computer World gegeben hat.
Demnach ist der Verzicht auf SSDs eine ganz bewusste Entscheidung. Hagberg äußert in dem Interview eine Reihe von Einwänden gegen die gehypte Flash-Technologie. So hätten die Solid State Discs Performance-Probleme beim Schreiben großer Dateien. Sie seien eher für das Random Reading ausgelegt, aber nicht geeignet für das sequenzielle Lesen und Schreiben großer Dateien. Außerdem sei die Lebensdauer der Flash-Speicher möglicherweise auf 100.000 Schreibvorgänge pro Zelle beschränkt. Eine Festplatte erlaubt dagegen Millionen Schreibvorgänge.
Zweifel an der Stromersparnis
Schnelleres Booten mit Flash-Laufwerken? Fehlanzeige meint Hagberg, die Technik sei höchstens um wenige Sekunden schneller. Auch für die vielfach gepriesene Stromersparnis bei SSDs hat Hagberg nicht viel übrig. Diese liege bei höchstens fünf Prozent. Mit den Zweifeln an der Energieeffizienz hat der Fujitsu-Offizielle vielleicht gar nicht so unrecht. Die Technikexperten von Tom´s Hardware behaupten, dass SSD-Laufwerke im Vergleich zu herkömmlichen Festplatten keine echte Stromersparnis bringen. Entsprechende Testergebnisse haben die Hardware-Tüftler unter dem eindeutigen Titel "Der SSD-Schwindel: Flash-Laufwerke verringern Akku-Laufzeit" veröffentlicht.

![]()
![]()
Solid-State-Disc mit 64 Gigabyte im 1,8-Zoll-Format von Samsung. Die NAND-Technik soll bessere Leistung bringen.
Sun sieht große Zukunft für Flash
Die exakte Gegenposition zu Fujitsu-Siemens hat Sun Microsystems bezogen. Der Serverspezialist will noch in diesem Jahr Flash-Festplatten für Server anbieten. Die Sun-Manager sind davon überzeugt, dass die Technik in wenigen Jahren auch den Markt für Festplatten dominieren wird. Eine Meinung, der Hagberg entschieden widerspricht. Er glaubt, dass in den nächsten Jahren mehr als 90 Prozent aller Rechner, egal ob Server, Desktop-PC oder Notebook, mit konventionellen Festplatten ausgestattet sein werden. Einen Vorteil gesteht Joel Hagberg der Flash-Speicher-Technik immerhin zu. Sie seien ideal für Mobiltelefone, iPods und MP3-Player.
Auch der Festplattenhersteller Seagate ist noch skeptisch. Erst mit einiger Verspätung hat Seagate die Produktion von Solid State Discs angekündigt. Diese sollen aber erst 2009 auf den Markt kommen und sind nur für Unternehmen gedacht. Seagate-Chef Bill Watkins hält die Laufwerke noch für zu teuer, wenn man den Preis pro Gigabyte zugrunde legt.
Egal, ob nun die Vertreter der guten alten Festplatte oder die Pioniere der Solid-State-Technik recht haben, eine kritische Diskussion um die realen oder vermeintlichen Vorteile der neuen Technik ist sicherlich kein Schaden.
Weitere Artikel zum Thema
-
Flash-Laufwerke von Toshiba speichern bis zu 128 Gigabyte
Toshiba produziert ab 2008 auch Flash-Festplatten
-
Flash-Laufwerk speichert 512 Gigabyte
Solid State Disks von STEC machen Festplatten Konkurrenz
-
Neue Hochleistungs-SSD von Intel
Intel stellt sechs neue Flash-Speicher vor
Links zum Artikel
Mehr über: Flash, Festplatte, Fujitsu-Siemens
Jetzt sind Sie dran.
Kommentieren
Fujitsu-Siemens kritisiert Solid-State-Technik
Was sagen Sie dazu?
Diesen Artikel verlinken
Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons-Lizenz.
nach oben








