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08.07.2008
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Es gibt keinen technischen Grund MP3 abzulösen

Bernhard Grill im Interview: "Jeder versucht MP3 zu verdrängen"

Markus Henkel

netzwelt: Ende Juli trifft sich die MPEG in Deutschland. Was genau wird da Thema sein? Auch MT9?

Bernhard Grill: Das MT9-Format wird nur am Rande beleuchtet. Die meisten der ca. 300 Teilnehmer kommen zur Mitarbeit an den wirklich spannenden neuen Technologien. Es gibt etwa die Videogruppe, die sich etwa um neue Multi-Viewing-Umsetzungen bemüht. Die Audio-Gruppe will zum Beispiel die Effizienz bei sehr niedrigen Datenraten verbessern, wie sie z.B. im Mobilfunk anzutreffen sind. Ziel ist es, mit auf dem Handy üblichen Datenraten Musik und Sprache gleich gut zu übertragen.

Bernhard Grill und das MP3 Forschungs-Team

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Vergangene Zeiten: Bernhard Grill (vierter von links) und das MP3-Team
(Klick vergrößert.)

netzwelt: Warum hat es bisher kein Format gegeben, welches MP3 verdrängt hat? Liegt es an Microsoft? Diese unterstützen ja mit ihrem Medienplayer nur wenige Formate.

Bernhard Grill: Erst einmal muss man festhalten, dass Verfahren wie MP3 oder AAC Geld kosten, da Patentlizenzen zu entrichen sind. Damit hat man aber auch die Sicherheit von den Lizenzgebern, die als Patentinhaber an der Entwicklung der in ISO-MPEG standardisierten Technologien beteiligt waren, nicht weiter behelligt zu werden. Andere Codecs, die erst Jahre nach den ISO-MPEG-Standards entstanden sind, bauen oft auf ähnlichen Technologien auf und sind deshalb potentiell der Gefahr ausgesetzt, dass sie auf bereits früher patentierte Ideen zurückgreifen. Das MP3-Format gibt es seit seit gut 15 Jahren. Zwar gab bzw. gibt es es auch hier patentrechtliche Fragen zu klären. Im Verhältnis zur wirtschaftlichen Bedeutung von mp3 sind diese jedoch erstaunlich gering.

netzwelt: Wie sieht das Format der Zukunft aus?

Bernhard Grill: Für welche Anwendung? Das MP3-Format ist für den PC-Gebrauch schon sehr gut geeignet. Seit 1996 gibt es einfach keinen klaren Fortschritt. Alleine das ist schon ein Grund, sich nicht für ein anderes Format zu entscheiden. Es gibt einfach keinen Grund, das MP3-Format abzuwählen.

netzwelt: Wann haben sich Ihre Nachbarn oder Ihre Frau das letzte Mal über zu laute Musik aus dem Wohnzimmer beschwert?

Bernhard Grill: Die Musik aus dem Wohnzimmer ist eher zweitrangig: Ich spiele Trompete und das natürlich nur im Haus-eigenen Keller. Ansonsten höre ich am liebsten Live-Musik und diese muss man immer laut genießen. Aber tatsächlich, beschwert hat sich noch niemand (lacht). Bei der Trompete allerdings kann es mal sein, dass meine Frau etwas ungehalten reagiert.

Grill mit seinem Kollegen Harald Popp: Audio Codec vs. Beer Cooling Device

netzwelt: Ein technisches Produkt, ohne dass Sie nicht mehr leben könnten?

Bernhard Grill: (lacht) "Leben" ist ein wenig überspitzt. Ich würde auf jeden Fall mein Heimnetzwerk vermissen. Hier sind Kinderfilme, Musik und Familienfilme abgelegt. Der Komfort und die einfache, bequeme Bedienung würde ich sehr vermissen.

netzwelt: Ein technisches Produkt, das Sie irgendwann noch mal in den Wahnsinn treibt?

Bernhard Grill:Ich vergleiche die Multimediatechnik von heute gerne mit der Situation um das Auto Anfang des letzten Jahrhunderts. Die ersten Autos waren nur von Fachleuten zu benutzen. Das änderte sich mit dem Model T von Ford. Es war das erste Auto, das serienmäßig am Fließband produziert wurde. Jeder konnte damit fahren, jeder konnte damit umgehen. Das ist bei den heutigen technischen Formaten nicht immer der Fall. Einen MP3-Player kann jeder bedienen. Das ist klar. Da sind wir schon in der Nach-Model-T-Phase. Aber die Video und Tonformate in den verschiedenen Geräten einfach in Einklang zu bringen, ist heutzutage noch Wunschdenken. Das treibt mich zwar nicht in den Wahnsinn, aber nerven tut es allemal.

netzwelt: Herr Grill, vielen Dank für das Gespräch.


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