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05.07.2008
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Der unsichtbare User zwischen Anarchie und Redefreiheit

Anonyme Netzwerke: Licht und Schatten

Moritz Zielenkewitz

Diese Denkweise, welche sich auch in der Philosophie von Freenet wiederfindet, ist nur schwer verdaubar. Wenn Redefreiheit mit absoluter Freiheit gleichgesetzt wird und aufgrund der Anonymität keine verbindlichen Gesetze existieren, muss die Ethik herhalten. Und die fragt: Kann eine Information im Internet an sich bereits gut oder schlecht sein? Oder ist es vielmehr die Interpretation und Umsetzung durch den Menschen, die das tut?

In einer Zeit vor unserem Land

Nur wenige Nutzer dürften sich diese Dimensionen bewusst machen, wenn sie anonyme Netzwerke nutzen. Initialzündung ist hier meistens das pure Filesharing mit verschleierter Identität, die größte gesetzliche Sorge gilt dem Urheberrecht. Dass der eigene Knotenpunkt nebenbei vielleicht hochgradig illegale Inhalte für andere Teilnehmer durch das Internet schleust, wird dabei gerne ignoriert.

Natürlich herrscht darüber nie Gewissheit. Dank Verschlüsselung und des durchdachten Routings weiß kein Nutzer, welche Daten der eigene Computer wirklich speichert und weiterleitet - Plausible Deniability ist hier das Zauberwort, mit dem sich die User der anonymen Netze von rechtlichen Konsequenzen reinwaschen können.

Im Inneren des Netzwerks existieren keine Gesetze, außerhalb greifen sie nicht. Eigentlich paradox, dass modernste Algorithmen und Verschlüsselungen verwendet werden, um den Menschen die urzeitliche Anarchie wiederzubringen. Doch das latente Gefühl, an etwas Unrechtem teilzuhaben, ist greifbar und hält viele demokratisch erzogenen Personen von den anonymen Netzwerken fern.

Lösungsmittel gesucht

Eine verfahrene Situation, in der Staat und User gleichermaßen machtlos sind und die undestillierte Freiheit von Wort und Meinung siegt. Zwei Ansätze würden daran etwas ändern: Wie bereits in China mit Freenet geschehen, könnte die Verwendung der für den Eintritt in anonyme Netzwerke nötigen Software verboten werden. Ein zweischneidiges Schwert, denn das Potenzial absolut legaler Handlungen ist ähnlich wie bei P2P-Clients durchaus vorhanden.

Der andere Ansatz wurde von den Freenet-Entwicklern bereits vor Jahren verworfen: eine anonyme Netzwerk-Demokratie. Wer einen Inhalt entdeckt, den er für absolut inakzeptabel hält, schickt eine Art Alarm in das Netz. Jeder Nutzer hat die Möglichkeit, dem Entfernen des Inhaltes zuzustimmen oder nicht. Komplett basisdemokratisch wird jetzt die pure Quantität an Ja-Stimmen gezählt.

Überschreitet diese einen Schwellenwert, erhält der Entdecker vom System das Recht, den Löschvorgang einzuleiten. Keine Veto-Rechte, keine Wiederherstellung, die Schwarmintelligenz würde siegen. Hardlinern geht diese Filterung jedoch wieder zu sehr in Richtung Zensur. Es steht zu befürchten, dass sich anonyme Netzwerke durch ihren Freiheitseifer im selben Atemzug die Handlungsfreiheit nehmen. Und das wäre dann wohl Selbstzensur.


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