Der unsichtbare User zwischen Anarchie und Redefreiheit
Anonyme Netzwerke: Licht und Schatten
Moritz Zielenkewitz
Wer sich anonym im Internet bewegt, landet schnell beim Filesharing. Doch P2P ist nur die Spitze des Eisberges, massive Probleme lauern darunter. Wie weit anonyme Netze gehen dürfen, wird schnell zu einer philosophischen Debatte über Freiheit und ihre Grenzen.
Inhalt
- Warum das Internet nicht anonym ist
- Die Idee hinter anonymen Netzwerken
- Ausgewählte anonyme Netzwerke
- Lass uns über Inhalte sprechen
- Das Echo auf den Ruf nach Freiheit
- In einer Zeit vor unserem Land
- Lösungsmittel gesucht
Warum das Internet nicht anonym ist
Anonymität beim Surfen - habe ich doch schon, ist der erste Gedanke vieler User. Ein Trugschluss, denn die Grundfesten des Internets beruhen auf der Tatsache, dass jeder vernetzte Computer sich eindeutig ausweisen kann. Das funktioniert über die IP-Adresse, einen Identifikator, mit dessen Hilfe Daten gesendet und empfangen werden können - ähnlich wie beim Telefonnetz auch.
Jeder Server, auf dem eine Website liegt, welche Sie besuchen, protokolliert diese IP-Adresse und weitere Metainformationen wie Betriebssystem, Herkunftsland, Browser und vorher besuchte Seite. Mit ein wenig Aufwand lässt sich daraus ein engmaschiges Profil stricken, verknüpft mit dem genutzten Internet Service Provider (ISP) kann man die Identität des Nutzers herleiten.
Die Idee hinter anonymen Netzwerken
Kaum verwunderlich, dass diese Erkenntnis auf Unzufriedenheit stößt: Genauso wenig, wie jedem Passanten der Personalausweis unter die Nase gehalten wird, sollen andere Internetnutzer persönliche Informationen erhalten. Dabei muss nicht immer die Angst vor Staat oder Kriminellen im Vordergrund stehen: Der natürliche Wunsch nach Privatsphäre wird im Internet oft durch technische Gegebenheiten ignoriert.
Es war also nur eine Frage der Zeit, bis findige Menschen Systeme entwickelten, welche die eigene Identität nicht unverblümt preisgeben. Im Klartext heißt das: Verschlüsseln, Umleiten, Tarnen und Täuschen. Die anonymen Netzwerke waren geboren. Weder Außenstehende noch die Teilnehmer selbst wissen vom Gegenüber mehr als nur einen Nickname oder eine nichtssagende - weil intern vom System vergebene - ID.
In solchen anonymen Netzwerken ist informationelle Selbstbestimmung ein hohes Gut. Das Lüften der eigenen Identität wird zu einem aktiven und freiwilligen Vorgang ähnlich wie im wahren Leben auch. Die logische Folge: Reger Informations- und Datenaustausch mit stolz drappierter Tarnkappe.
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