20 Sekunden langes Klarinetten-Solo passt in ein Kilobyte
Wissenschaftler schrumpfen MP3 um das Tausendfache
Michael Knott
Wissenschaftler der Universität Rochester, New York, haben den wahrscheinlich effizientesten Weg der Musik-Kompression entdeckt. Ein Klarinetten-Solo mit einer Länge von 20 Sekunden benötigte in einem Versuch lediglich ein Kilobyte an Speicherplatz. Eine in der Qualität vergleichbare MP3 würde das Tausendfache an Speicher belegen.
Um diese enorme Speicherplatzersparnis zu erreichen, verließen die Wissenschaftler bekannte Wege der Audio-Kompression. Statt das Klarinetten-Solo wie gewohnt aufzuzeichnen, reproduzierten sie es vollständig. Vergleichbar sei diese Vorgehensweise mit der eines Notenblattes, auf dem die Anweisungen stehen, wie ein Musikstück zu spielen sei.
Musik reproduzieren statt aufnehmen
Bei dem neuen Verfahren kommen zusätzliche Informationen, zum Beispiel die Art und Weise wie der Künstler das Musikstück spielt, hinzu. So wurden bei dem Versuch auch der Lippen- und Atemdruck des Künstlers sowie das Fingerspiel auf der Klaviatur mit in die Berechnungen einbezogen. Mark Bocko von der University of Rochester und Miterfinder dieser Technik spricht sogar von einem neuen Standard, Künstler in Zukunft nicht einfach im Studio aufzunehmen, sondern komplett zu reproduzieren.
Mit dem von den Wissenschaftlern entwickelten Algorithmus ersparen sich die Ton-Ingenieure ein permanentes Samplen der Musik, was zu einem hohen Datenaufkommen führt. Bei einer Abtastrate von üblichen 44,1 Kilohertz etwa fallen 44.100 Messwerte in der Sekunde an.
Die Technik steckt derzeit in den Kinderschuhen und ist noch lange nicht ausgereift. Bocko und seine Kollegen sind allerdings zuversichtlich, dass sich dies ändern und der eingesetzte Algorithmus zu besserer Musik aus dem Computer führen wird.
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