Comcast und Bittorrent verkünden Zusammenarbeit
US-Provider schließt Frieden mit P2P
Janko Röttgers
Der US-Kabelnetzanbieter Comcast hat angekündigt, in Zukunft nicht mehr in die Bittorrent-Übertragungen seiner Kunden eingreifen zu wollen. Der Netzanbieter hat dazu einen Pakt mit der Firma des Bittorrent-Gründers Bram Cohen geschlossen. Kritiker sind jedoch skeptisch.
Comcast und BitTorrent Inc. verkündeten am Donnerstag, dass man in Zukunft gemeinsame Lösungen zum Vermeiden von Bandbreiten-Engpässen umsetzen wolle. Comcast will dazu spätestens zum Ende des Jahres auf eine Netzwerk-Management-Lösung setzen, die Datenverkehr unabhängig vom verwendeten Protokoll behandelt. Der Provider will zudem seine Netzwerk-Kapazitäten massiv ausbauen und dabei insbesondere in Sachen Upload-Kapazität nachrüsten.
Gemeinsam mit Bittorrent will die Firma schließlich Technologien zur effizienteren Auslieferung von Multimedia-Inhalten entwickeln, die dann als Open Source-Code auch anderen P2P-Entwicklern und Netzanbietern zu Verfügung gestellt werden sollen.
Comcast: Vom Sünder zum Büßer
Der Pakt folgt Monaten harscher Kritik an Comcast. Der Netzanbieter hatte im Sommer vergangenen Jahres damit begonnen, die Bittorrent-Uploads ihrer Kunden auszubremsen. Für besonders großen Ärger unter Kunden und P2P-Anbietern sorgte dabei die Tatsache, dass Comcast die Eingriffe Monate lang trotz eindeutiger Beweislage abstritt.
Erst im Februar des Jahres bekannte sich Comcast zum Ausbremsen von P2P-Übertragungen. Grund dafür war eine Anhörung der US-Telekom-Aufsichtsbehörde FCC, die erwog, regulierend gegen den Netzanbieter vorzugehen. Comcast argumentierte damals noch, dass Bittorrent das eigene Netzwerk überlaste und dass man deshalb keine andere Wahl habe, als mit so genanntem "Netzwerk-Management" gegen die Übertragungen vorzugehen.
Entschiedenen Widerspruch gab es dafür von P2P-Anbietern wie Vuze und Miro. Beide setzten sich aktiv für die Verabschiedung neuer Gesetze ein, die US-Providern das willkürliche Abbremsen bestimmter Protokolle verbieten sollen.
Bittorrent-Bremsern auf der Spur
Die Verfechter dieser so genannten Net Neutrality-Gesetzgebung reagierten am Donnerstag skeptisch auf den Pakt zwischen Comcast und Bittorrent. So erklärte ein Vertreter der Vereinigung Free Press, Comcast habe schon in der Vergangenheit Versprechen gebrochen. "Es ändert sich nichts daran, dass die FCC dringend aktiv werden muss", so Free Press-Anwalt Marvin Ammori. Comcast sei zudem nicht der einzige Netzanbieter, der mit technischen Tricks gegen Bittorrent vorgehe.
Tatsächlich versuchen immer mehr Provider, den Dateientausch ihrer Kunden abzubremsen oder sogar ganz zu verhindern. Dieses Phänomen ist nicht auf die USA beschränkt: So wurde kürzlich bekannt, dass Kabel Deutschland in den Nachtstunden Bittorrent abbremst.
Der P2P-Anbieter Vuze, bekannt für den Bittorrent-Client Azureus, will deshalb jetzt erstmals systematisch alle Netzanbieter erfassen, die Bittorrent sabotieren. Vuze hat dazu ein Plugin für Azureus entwickelt, mit dem sich der eigene Netzzugang testen lässt. Eine Sprecherin des Unternehmens bestätigte gegenüber Netzwelt.de, dass man ausdrücklich auch an Testergebnissen aus Europa interessiert sei.
Lesen Sie dazu auch unsere aktuellen Specials "Selbsttest: Bremst Ihr Provider den P2P-Verkehr aus?" und P2P: Mit Verschlüsselung gegen die Provider-Bremse
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