Türkei-Gründer Atatürk soll beleidigt worden sein
Türkei sperrt YouTube
Patrick Woods
Ein türkisches Gericht hat festgelegt, dass der Zugriff auf die Videoseite YouTube gesperrt werden muss. Die Begründung: Auf YouTube existieren Videos, die nach Ansicht des Gerichts den Gründer der Türkei, Mustafa Kemal Atatürk, beleidigen. Dies ist in der Türkei eine Straftat.
Am Donnerstag, dem 17. Januar verkündete das Gericht in der Hauptstadt Ankara das Urteil. Wer derzeit aus der Türkei auf das Videoportal zugreifen will, landet auf einer Meldung auf Türkisch und Englisch, die über die Sperre informiert. Damit ist dies das bislang dritte Urteil, das eine Sperre gegen YouTube zur Folge hat.
Bereits die dritte Sperre
Bereits im letzten März ordnete ein türkisches Gericht eine Sperre YouTubes aus dem gleichen Grund an. Diese bestand zwei Tage, bis YouTube die fraglichen Videos entfernte. Im September gab es ebenfalls ein Sperrurteil gegen die Videoseite, die Sperre wurde jedoch nie aktiviert.

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Auf YouTube finden sich viele Veehrungsvideos über den Staatsgründer Atatürk
(Klick vergrößert)
Mustafa Kemal Atatürk ist in der Türkei ein Volksheld und gilt als "Vater aller Türken". Er wurde als Widerstandskämpfer berühmt, der nach dem Untergang des Osmanischen Reiches die griechischen und alliierten Besatzer nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg besiegte. Er gründete die heutige Republik Türkei und wurde deren erster Präsident.
Der Straftatbestand "Beleidigung des Türkentums" und dessen Anwendung ist international umstritten. Auch türkische, kritische Journalisten und Buchautoren wurden bereits wegen dieses Vergehens angeklagt, darunter auch der Nobepreisträger für Literatur, Orhan Pamuk.
Auch andere Länder sperren
Auch in anderen Staaten gab es bereits Sperren gegen YouTube. In Thailand etwa war die Webseite letztes Jahr vier Monate lang nicht erreichbar, weil einige Videos den König Bhumibol Adulyadej beleidigt haben sollen. In Marokko gab es letzten Mai ebenfalls eine Sperre, vermutlich wegen Aussagen auf YouTube zu Marokkos Politik in der Westsahara, einer Region, die das Land seit 1975 besetzt hält. Offiziell wurde diese Sperre als "technisches Problem" dargestellt.
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