Amerika auf dem Grat zwischen Kunst und Kitsch
Überstrahlt: US-Häuser im blinkenden Weihnachts-Wahn
Internet & Netzwelt
Ein Tannenbaum im Wohnzimmer, Lichter erhellen die Fensterscheiben, hier und da ein Schneemann oder Engel. Besinnliche Weihnacht also. Doch dass man alles übertreiben kann, ist wohlbekannt - und wer könnte das besser als die Amerikaner? Wohnungen werden zu Lichtermeeren und ganze Viertel liefern sich einen Wettstreit um die übertriebenste Deko. Weihnachten wird zur Privatshow, auch netzwelt hat zugeschaut.
Inhalt
- Heiligabend bei Holdmans
- Amerika geht ein Licht auf
- Weihnachten wird elektrisch
- Olympische Disziplin: Dekoration
- Plattform Internet: Fans und Feinde
Heiligabend bei Holdmans
Familie Holdman hat es nicht leicht: Tag für Tag wälzen sich Autoschlangen an ihrem Haus in Pleasant Grove im Bundesstaat Utah vorbei. Hupend und gaffend lassen die Besucher die Augen nicht vom trauten Heim, parken sogar oft für mehrere Minuten mitten auf der Straße. Doch die Holdmans stört das nicht. Ganz im Gegenteil: Sie laden sogar dazu ein.
Denn wie im vergangenen Jahr versetzen die Holdmans auch 2007 ihr Haus wieder in ein weihnachtsliches Lichtermeer: 45.000 Leuchten sind rund um ihren Lebensmittelpunkt angebracht, 300 Verstärker stellen die Versorgung der einzelnen Elemente sicher. Die komplette Installation ist computergesteuert und arbeitet über 192 Kanäle, die verschiedene Bereiche des Kitsch-Kunstwerks ansteuern. Hier eine Kostprobe der Holdman'schen Darbietung 2007:
Das Haus der Holdmans mit einer der Kompositionen.
Das Spektakel läuft täglich zu festgelegten Uhrzeiten, auf der Familien-Website sind sogar die Anfahrtswege aus verschiedenen Teilen Amerikas beschrieben - denn das Holdman-Haus hat Berühmtheit erlangt. Der Service für vorbeifahrende Besucher geht noch weiter: Auf einer eigenen Frequenz kann über das Autoradio ein zur Lichter-Choreographie synchrones Lied gehört werden - moderne Versionen von "Jingle Bells" und "Amazing Grace" inbegriffen.
Die Holdmans selbst stört der Trubel nach eigenen Aussagen nicht; sie sehen die Weihnachts-Attraktion als einen - wenngleich extravaganten - Weg, den Menschen die Bedeutung des Festes vor Augen zu führen. Einige Nachbarn begegneten den Autoschlangen mit weniger christlicher Nächstenliebe, sodass die Holdmans von künftigen Besuchern ein angemessenes Verhalten erbitten: Rechts ranfahren, möglichst den Motor ausstellen und keinen Müll hinterlassen.
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