Leslie Hall: Lebendes Kunstobjekt mit schmerzfreier Exzentrik
Kurzfilm: Die rappende Bibliothekarin
Patrick Woods
Wenn man mit Mitte Zwanzig übergewichtig ist, eine grausige Bibliothekarinnenfrisur trägt und noch dazu eine unwiderstehliche Vorliebe für paillettenbestickte Oma-Pullis hat: dann könnte man denken, das Leben hätte es nicht gut gemeint. Bei Leslie Hall ist das jedoch anders. Sie hat sich selbst zur schrägen Kunstfigur erklärt.
Enge Hosen, bunte Strickpullis mit kitschigen Pailletten und Edelsteinen, Riesenbrille. Dazu auch noch Rapperin. Klingt nach Fremdscham - eine unvorstellbar peinliche Mischung. Aber Hall macht sich nichts daraus. Ihr geschmackloses Kleinstadtoutfit ist kein Unfall, sondern Masche.
Paillettenpulli und Kunst
Wenn Hall im hautengen, goldglänzenden Anzug über die Bühne oder durch ihre Videos hüpft, dann wird sofort klar: Entweder sie ist verrückt oder verfügt über ein enormes Selbstbewusstsein. Oder beides. Jedenfalls ist sich Hall ihrer Außenwirkung mehr als bewusst und setzt sie deshalb gezielt ein. "Ich bin die Kunst", soll sie während ihres Kunststudiums in Boston erkannt haben.
Doch auch schon vor ihrem Werdegang als Internet-Kultfigur liebte und lebte Leslie Hall die Exzentrik. Zu ihrem High-School-Abschlussball soll sie ein enges, rosa Kleid im Stil einer Prinzessin getragen haben. Schon damals war ihr eigenwilliger Stil erfolgreich: Prompt lebte sie damit den Kleinstadttraum eines US-Teenies und wurde Ballkönigin.

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Schrill: Leslie Hall und ihre Pullis (Bilder: lesliehall.com)
(Klick vergrößert.)
Midwest-Kleinstadt-Elend
Leslie Hall wuchs in Ames, Iowa, auf. Dieses 50.000 Seelen-Dorf westlich des Mississippi im mittleren Westen scheint nicht der Ort zu sein, wo schräge und alternative Kunst gedeihen kann. Und doch hat Hall es geschafft, sich zu etablieren und bekannt zu werden. Ohne das Internet wäre dies jedoch vermutlich kaum möglich geworden. Nur hier verbreitet sich Skurriles so schnell und weit.
Wenn Hall nicht gerade rappt, dann reist sie mit ihrem mobilen "Gem Sweater"-Museum durch die Staaten. Die scheußlichen Pullover aus den Achtzigerjahren sind nicht nur ihr Markenzeichen, sondern auch ihre private Leidenschaft. Mehrere hundert Exemplare hat sie bislang gesammelt und stellt sie auf ihren Ausstellungen aus. Auch auf ihrer Homepage zeigt sie etwa 150 Fotos von sich in jeweils unterschiedlichen Pullovern.
Rapvideo mit ungewöhnlichem Outfit
Der Kurzfilm dieser Woche ist deshalb vielmehr Musikvideo als Film und dennoch Kunst. Die rappende und singende Goldkugel stellt die Sehgewohnheiten der Zuschauer in Bezug auf Rapvideos auf eine harte Probe. Viele Kommentatoren auf YouTube schimpfen über das Outfit und den Stil, andere verstehen die Ironie und bewundern die Schamlosigkeit der 25-Jährigen.
| Steckbrief | |
|---|---|
| Regisseur: unbekannt | Sprache: Englisch |
| Auflösung: 480x360 | Laufzeit: 03:44 Minuten |
| Format: Flash | Anschauen: HOW WE GO OUT VERSION 2 |
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