Tag der offenen Höllentür
Spieletest: Hellgate London
Michael Dees
London, später Nachmittag. Trübes Wetter. Die Frisur sitzt nicht richtig. Gegen die ständigen Attacken von Dämonen ist auch der beste Haarfestiger machtlos. Egal, in der englischen Hölle des Jahres 2038 sind Waffen und Rüstungen ohnehin sinnvoller als Kosmetika. Denn in dem Erstlingswerk ehemaliger Blizzard-Mitarbeiter wird der Teufel nicht mit Beelzebub ausgetrieben, sondern mit Klingen, Magie und Maschinenpistolen. Hält das gehypte Action-Rollenspiel, was es verspricht?
In naher Zukunft fallen den Bewohnern Londons vor Schreck die Teetassen aus der Hand. Ihre stolze Stadt wird von Dämonen überrannt, Höllenkreaturen verwandeln Menschen in Zombies, Straßen in Schuttberge. Wer überlebt, flüchtet in den Untergrund. Weil sich ihre konventionellen Waffen als machtlos erweisen, grübeln die Menschen über alternative Kampfmethoden. In den U-Bahnstationen werden archaische Rüstungen geschmiedet, Schinken über Magie gewälzt und zivilisatorischer Schrott waffenfähig gemacht.
Diese wehrhafte Vielfalt spiegelt sich in der Charaktererstellung wider. Mittelalterlich anmutende Nahkämpfer mit Schwertern sind ebenso vertreten wie Beschwörer mit Anhang oder Kampfmagier, die der Höllenbrut mit Erfrierungen, Verbrennungen oder Vergiftungen zu Leibe rücken. Vervollständigt werden die drei vorhandenen Gruppen durch die Klasse der Jäger, allerdings in eher ungewohnter Form. So dürfen sich Scharfschützen als Egoshooter durch Monsterhorden ballern, während Ingenieure ihr technisches Wissen in den Bau von Drohnen und Bots einbringen. Für bunt gemischte Gruppen im Mehrspielermodus ist gesorgt.
Maulfaule Questgeber
Bis dahin macht "Hellgate London" alles richtig. Die Varianz der Charakterklassen verspricht hohe Wiederspielbarkeit und die starke Intro - hier zeigt sich die Blizzard-Schule - macht Lust auf mehr. Umso enttäuschender die ersten Kontakte mit Nichtspielercharakteren, die nur zur Begrüßung sprechen und dabei nicht einmal den Mund aufmachen.
In dröger Textform schütten zahlreiche Questgeber den Spieler mit typischen Aufgaben zu: Die Exekution bestimmter Bestien, das Sammeln mehrerer Trophäen, die Beschaffung von Gegenständen. Ein Gefühl, als heldenhafter Krieger das Fortbestehen der Menschheit zu sichern, will dabei nicht aufkommen. Etwas mehr Abwechslung bieten die für das Vorantreiben der Geschichte obligatorischen und zum Teil verzweigten Aufträge.
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