MediaDefender soll für die Staatsanwaltschaft arbeiten
Filesharing-Wächter als Kinderporno-Jäger
Patrick Woods
Von Filesharern gefürchtet, von Film- und Musikindustrie bezahlt: die Spione, die Internetnutzer beim Downloaden von urheberrechtlich geschütztem Material erwischen. Einer davon, das kalifornische Unternehmen MediaDefender, soll nun auch der Staatsanwaltschaft bei der Überführung von Kinderporno-Anbietern und Besitzern helfen. Dieses Vorhaben wird in den USA heftig umstritten.
Inhalt
- Ungewöhnliche Liaison
- Gehackt und aufgeflogen
- Kinderporno-Suchmaschine
- Heikle Mission: Beweise in der Hand einer Firma
- Testlauf mit schlechtem Ergebnis
- Beweise mit zweifelhafter Glaubwürdigkeit
Der Plan stammt von Andrew Cuomo, dem Generalstaatsanwalt des Staates New York: Die Filesharing-Spione von MediaDefender sollen helfen, Beweise gegen Kinderporno-Besitzer zu sammeln. Was im ersten Augenblick nachvollziehbar klingt, bereitet den Strafverteidigern in den USA Sorgenfalten auf der Stirn. Die Mischung von Staatsanwaltschaft und Privatunternehmen sei heikel, so die Anwälte.

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MediaDefender: Vom P2P-Gegner zum Staatsgehilfen
"Generell wird das nicht nicht gern gesehen, wenn Strafverfolger ein Privatunternehmen engagieren", sagt der Pflichtverteidiger Jeff Adachi aus San Fransisco im Magazin "Wired". "Es gibt ethische Bedenken über die Korrektheit der Beziehung zwischen Strafverfolgungsbehörde und dem privaten Unternehmen. Es könnte potenziell eine Bevorzugung der Firma in juristischen Angelegenheiten geben", so der Anwalt weiter.
Offiziell ist von dem Plan nichts zu hören. Es waren Hacker, die die Pläne der New Yorker Staatsanwaltschaft ans Licht brachten. Denn MediaDefender ist wegen seiner Spionagearbeit, unter anderem für Universal Pictures und BMG, bei Filesharern alles andere als beliebt. Im Februar 2007 machte das Unternehmen mit dem gefälschten Filesharing-Portal "MiiVi" Schlagzeilen.
Die Falle flog auf. Nun wurde MediaDefender selbst Opfer einer Spionageattacke aus dem Internet. Hacker entwendeten am 14. September über 6.600 E-Mails des Unternehmens und schnitten ein Telefongespräch mit. Es war dieses Material, das die Kooperationspläne der Staatsanwaltschaft an die Öffentlichkeit brachte. Das Unternehmen und Generalstaatsanwalt Cuomo verweigern bislang jede Stellungnahme.
Bisher ist noch nicht viel über das Projekt bekannt. Nach dem, was die E-Mails verraten, plant die Firma eine Crawler-Software für peer-to-peer-Protokolle zu veröffentlichen, die Filesharing-Netze nach bestimmten Stichwörtern durchsucht, die von der Staatsanwaltschaft vorgegeben werden. Wird die Software fündig, speichert sie die IP-Adresse des Anbieters und filtert alle außer den New Yorker IPs heraus.
Die von MediaDefender gesammelten Daten werden automatisch an das Büro des Generalstaatsanwalts weitergeleitet. Dort würden sie von Ermittlern analysiert und untersucht. Dazu wird eine weitere Software des kalifornischen Unternehmens verwendet, mit der die Ermittler die fraglichen Dateien herunterladen können.
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