Hardware-Hersteller propagieren Mut zum Risiko
Overclocking: Das heikle Spiel mit Takt
Benjamin Schnitzler
Was das Motor-Tuning fürs Auto, ist das Übertakten für den PC. Nur gibt es hier keinen Hardware-TÜV, der eine Zulassung verweigern könnte. Overclocking ist eine kleine Wissenschaft für sich und kann fatale Folgen haben, wenn der Tuner sein Handwerk nicht versteht. Dennoch werben viele Hersteller mit den Übertaktungsfähigkeiten ihrer Produkte. Doch wer sich davon allzu sehr verlocken lässt, verliert neben den oft teuer erkauften Hardware auch seinen Garantieanspruch.
Das Mainboard ist die Grundfeste des Rechners. Von hier aus werden die wichtigsten elektronischen Bauteile verwaltet, gesteuert und mit Strom versorgt. So auch das Herzstück des Rechners, der Prozessor, auch CPU genannt. Wenn bei einer Hauptplatine von Overclocking-Funktionen die Rede ist, gelten sie in erster Linie ihm. Besonders feine Einstellungsmöglichkeiten animieren dazu, selbst die kleinste Leistungsreserve herauszukitzeln - ein Spiel mit dem Feuer.
Inhalt
Kostspielige Grafikkarten
Die Arbeit mit dem Speicher
Uncoole Nebeneffekte
Geduldetes Risiko
Selbst wenn der PC nach allzu exzessiver Übertaktung nicht gleich in Flammen aufgeht, was eher bei schlecht verarbeiteten Netzteilen geschieht, der fatale Effekt bleibt derselbe. Zumindest für den Prozessor. Dabei ist die reine Anhebung der Taktfrequenz allerdings noch das kleinere Übel: Wirklich gefährlich für die CPU wird es erst bei einer überhöhten Spannung. Diese ist zum Beispiel dann notwendig, wenn eine vorgenommene Taktsteigerung zu Abstürzen führt.
Teuer wird es dabei in jedem Fall: Entweder in Form einer zwangsläufig höheren Stromrechnung oder eines verheizten Prozessors, der durch einen neuen ersetzt werden muss. Sicherlich hängt die Risikofreude dabei vom Wert der aufzumotzenden CPU ab. Ein aktuelles Dual-Core-Modell kostet etwa zwischen 60 und über 900 Euro, Quad-Cores mit vier Kernen zum Teil sogar noch etwas mehr. Ein offensichtlich durch Übertaktung zerstörtes Gerät wird wohl kaum ein Hersteller auf Kulanz austauschen.

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Verkehrte Welt: Oft eignen sich gerade die Prozessoren
besonders gut zum Übertakten, die es gar nicht nötig haben.
Doch gerade bei den kostspieligsten Exemplaren stellt sich die berechtigte Frage nach dem Warum. In den meisten Fällen steckt in diesen bereits mehr Potenzial, als der Mensch vor dem Bildschirm überhaupt ausreizt. Ein tatsächlicher Nutzen entsteht dabei allenfalls fürs Ego oder als hohe Punktzahl in einer praxisfernen, synthetischen Benchmark-Software. Letztere dient in den meisten Fällen jedoch ohnehin bloß dazu, sich vor anderen Overclockern zu profilieren.
Produzenten von Grafikkarten nehmen Computer-Gamern mittlerweile die Entscheidung mit bereits ab Werk übertakteten Platinen ab, ob sie ihren Spielebeschleuniger jenseits der Spezifikation betreiben oder nicht. Der Vorteil: Die Gewährleistungsansprüche bleiben trotz Overclocking erhalten. Nur leider lassen sich die Anbieter für ihre Frequenzsteigerung zum Teil geradezu fürstlich entlohnen. Je nach Performance-Klasse kann der Preisunterschied bis zu 100 Euro ausmachen.
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