Nachfolger für JPEG?
Microsoft reicht HD Photo zur Standardisierung ein
Digitalkamera
Ursprünglich als Konkurrent für JPEG gedacht, soll HD Photo jetzt selbst ein JPEG-Format werden. Das Standardisierungsgremium Joint Photographic Expert Group (JPEG) will den Vorschlag prüfen und hat den Standardisierungsprozess eingeleitet. Als Standard soll das Format in JPEG XR umbenannt werden und das gescheiterte JPEG 2000 ersetzen. XR steht dabei für "Extended Range", da das Format auch für HDR-Fotos eingesetzt werden kann.
JPEG 2000 hat sich bis heute im Massenmarkt nicht durchsetzen können, weil JPEG für die meisten bisherigen Anwendungen ausreichte und von jeder Kamera und Fotosoftware unterstützt wird. Etabliert hat es sich bisher nur in der Medizin im DICOM-Standard, in einigen Großarchiven zur Langzeitarchivierung und als Motion-JPEG 2000 im neuen Digital Cinema-Standard. Seit digitale Spigelreflexkameras jedoch zwölf Bit Farbtiefe unterstützen und High-Dynamic-Range-Fotografie (HDR) beliebter wird, kommt das 15 Jahre alte JPEG immer mehr an seine Grenzen.
JPEG unterstützt nämlich nur acht Bit pro Farbkanal, einen Alphakanal für Transparenz gibt es nicht. Während JPEG 2000 immerhin 16 Bit unterstützt, ermöglicht HD Photo sogar 32 Bit, womit sich das Format auch zur Speicherung von HDR-Bildern eignet. Inklusive Alphakanal sind also bis zu 128 Bit Auflösung pro Pixel möglich, im Gegensatz zu 24 Bit bei JPEG ohne Alphakanal. Außerdem können Bilder verlustlos gespeichert werden, was bei JPEG nur mit Erweiterungen möglich ist.

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High Dynamic Range: Mit JPEG XR sollen sich viel kontrastreichere Fotos speichern lassen, als mit analogem Film möglich ist.
Im 32 Bit-Modus unterstützt HD Photo allerdings nur verlustbehaftete Komprimierung. Neben RGB-, YUV- und CMYK-Farbräumen bietet HD Photo ICC-Profile für Fabmanagment, EXIF- und XMP-Metadaten und Digital Rights Management. Gespeichert werden die Bilder in einem TIFF-ähnlichen Containerformat. Eine Besonderheit von HD Photo ist, dass Bilder komprimiert bearbeitet werden können und nur die Auflösung oder Bereiche dekodiert werden müssen, die zur Darstellung benötigt werden.
Vom Firmenformat zum ISO-Standard
Auf der WinHEC 2006 hatte Microsoft erst einmal sein eigenes Fotoformat Windows Media Photo vorgestellt. Um größere Verbreitung zu erlangen, wurde es Anfang 2007 in HD Photo umbenannt: Unter "Open Specification Promise" gestellt sicherte Microsoft zu, dass keine Patenansprüche gemacht werden. Zusätzlich wurde das Format in Windows Vista integriert. Unterstützung erhält Microsoft vom Konkurrenten Adobe und verschiedenen Herstellern von High-End-Kameras.
Falls JPEG XR standardisiert wird, will Microsoft keine Lizenzgebühren verlangen und den Zugriff auf alle Patente freigeben, die mit HD Photo in Verbindung stehen. Vorher müssen allerdings 16 nationale Standardisierungsgremien darüber beraten. Die ersten Abstimmungen sollen im Oktober beginnen. Bis das Verfahren abgeschlossen ist, wird es noch ungefähr ein Jahr dauern.
Einen Hintergedanken hat Microsoft allerdings: Dadurch, dass HD Photo bereits in Windows Vista integriert ist, soll ein Betriebssystemwechsel für XP-Anhänger attraktiver werden.
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