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05.08.2007
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Die Wirkung der Medien auf das Selbstwertgefühl

Mediale Erotik: Nahrung für den Frust der Gefrusteten

Internet & Netzwelt

Mediale Erotik: Nahrung für den Frust der Gefrusteten

Werbung, Lifestylemagazine oder Bilder im Internet, überall springen uns retuschierte Hochglanzfotos an. Sie zeigen Menschen, die in Wirklichkeit nicht so perfekt aussehen wie auf dem Foto. Film und Fernsehen zeigen übertriebene Darstellung von Liebe und Sex. Die Zuschauer lässt das Hochglanzgewitter nicht kalt. Die perfekte Scheinwelt in den Medien. Wie stark beeinflusst uns die mediale Erotik?

Egal ob Werbung für Kosmetik, Pflegeprodukte, Autos oder Bier: Erotische Reize spielen fast jedes Mal eine große Rolle. Kein Wunder, der Mensch ist visuell veranlagt und reagiert fast unweigerlich auf optische Reize. Das macht sich jeder zunutze, der um Aufmerksamkeit heischt - wie die Werber. Die Gesellschaft wird ununterbrochen mit erotischen Einflüssen überflutet. Immer mehr Menschen werden dadurch unzufrieden mit sich und ihrem Leben. Können wir überhaupt noch zwischen Realität und idealisierter Mediendarstellung unterscheiden?

Der ideale Mensch

Die Ideale sind klar umrissen: "Als 'ästhetisch ansprechend' haben sich vier bis fünf Typen von Frauen und Männern herauskristallisiert", sagt Medienpsychologe Jesko Kaltenbaek von der FU Berlin. Die medialen Vorbilder können in der Realität kaum erreicht werden. Denn Zeitschrift und Fernsehen schummeln: Schminke, perfekte Ausleuchtung und digitale Retusche am PC vermitteln ein Aussehen, das auch das Model selbst real nicht hat.

Viele Menschen wissen, dass solche Bilder nicht real sind und dennoch prallen die Eindrücke nicht an ihnen ab. "Der Mensch stellt als soziales Wesen Vergleiche an", sagt Kaltenbaek. "Aktuelle Studien zeigen eindeutig, dass besonders Kinder und Jugendliche soziale Medien als Informationsquelle für das wirkliche Leben verwenden", erklärt der Psychologe. Er unterscheidet zwischen vier Gruppen, die jeweils unterschiedlich mit dem schöngefärbten Leben in Zeitschrift und Fernsehen umgehen.



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Retuschierte Modefotos: Schöne, glänzende Scheinwelt
(Klick vergrößert.)

Die erste Gruppe geht gleichgültig mit den Hochglanzbildern um, die zweite interessiere sich zwar dafür, wisse aber, dass die Darstellung nicht realistisch ist und nimmt sie nicht als Vorbild. Gefährlich wird es für die dritte Gruppe: "Hier gehören die dazu, die für diese Bilder ein großes Interesse entwickelt haben. Häufig erwachsen daraus Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl und Komplexe", sagt Jesko Kaltenbaek. Die Folge seien oft ernsthafte Körperschemastörungen. Die Menschen fühlen sich zu dick oder unattraktiv und werden mit sich, oft auch mit ihrem Partner, unzufrieden. "Gruppe Nummer vier hat das erkannt", diese Gruppe meidet das Betrachten von idealen Menschen, da ihr bewusst sei, dass sich dies negativ auf das Selbstwertgefühl auswirkt, so Kaltenbaek.

Natürlichkeit ist hässlich

Natürlichkeit ist in den Medien nicht gefragt. Selbst jugendliche Modelhaut wird noch künstlich geglättet, kleinste Hautfalten werden nachträglich entfernt und digital geliftet. Kein Mensch sieht real so aus, egal wie jung, egal wie schlank. Doch täglich wird uns dieser Stereotyp vorgesetzt. Und die Menschen akzeptieren es - auch wenn es sie nicht glücklich macht. Nicht nur das, sie übernehmen die unrealistischen Schönheitsideale: "Natürlichkeit und körperliche Individualität wird kaum mehr als 'schön' empfunden", sagt Medienpsychologe Kaltenbaek.

Auf die Spitze treiben es dabei die US-amerikanischen Spielfilme und Serien. Bis zur letzten Nebenrolle werden jugendliche und gutaussehende Schauspieler gecastet. Normalsterbliches Aussehen taugt nur als Stilmittel, um Außenseiter und Verlierer auf den ersten Blick zu brandmarken. Diese Botschaft frisst sich ins Unterbewusstsein der Zuschauer: "In den letzten Jahren findet man immer mehr Heranwachsende, die intensiv versuchen, durch Training, Ernährung und Chirurgie dem von ihnen angestrebten Ideal möglichst nahe zu kommen", erklärt Jesko Kaltenbaek.


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