Semantisches Internet und neue DRM-Verfahren
Theseus: Politik und Wirtschaft wollen Web 3.0
Benjamin Schnitzler
Noch wissen viele Internetsurfer nicht einmal, was "Web 2.0" ist, auch wenn sie den Begriff schon einmal irgendwo gehört haben mögen. Für die Politik dennoch kein Hindernis, gleich "Web 3.0" vom Zaun zu brechen. Das Forschungsprogramm "Theseus" soll den interaktiven und sozialen Charakter des Weltnetzes (2.0) mit einer inhaltlichen Deutung von Informationen erweitern (3.0). Wirtschaft und Wissenschaft bringen dazu einen Gesamtetat von rund 180 Millionen Euro auf.
Im Mittelpunkt des für fünf Jahre bewilligten Projekts steht die so genannte Semantik, sprich das Deuten bestimmter Inhalte. Im Falle des Internets sowohl auf Text als auch auf Multimedia in Form von Bildern, Audio und Video bezogen. Ziel ist es, Computern, oder besser gesagt den darauf installierten Programmen, zu einer Art eigenen "Intelligenz" zu verhelfen. Diese sollen anhand des Nutzerverhaltens selbstständig logische Schlüsse ziehen und Zusammenhänge erkennen können.
Als Grundlage für die semantische Erfassung von Web-Inhalten dienen unter anderem automatisch generierte Metadaten für Audio-, Video-, 3D- und Bilddateien. Vordergründig geht es um einen fortschrittlicheren Umgang mit der enormen Wissensflut des Internets. Dabei sind umsatzfördernde Hintergedanken seitens der Wirtschaft allerdings nicht nur möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich, zumal diese auch an der Finanzierung von Theseus beteiligt ist.
Neue DRM-Verfahren als Randnotiz
Als Kooperationspartner dienen außer renommierten Forschungszentren und Universitäten auch bekannte Unternehmen wie Siemens, SAP, Lycos und Thomson sowie das Institut für Rundfunktechnik. Mehr als Randnotiz werden zusätzlich noch neue Verfahren des Digital Rights Management (DRM) genannt, um Urheber- und Vermarktungsrechte multimedialer Inhalte besser schützen zu können.
DRM ist allerdings heftiger Kritik von Verbrauchern ausgesetzt, da die damit einhergehenden Kopierschutzmechanismen unter anderem durch Kompatibiliätsprobleme für Negativschlagzeilen sorgen. Aufgrund dessen beschloss mit EMI inzwischen sogar ein Major-Label den DRM-Verzicht bei Musik-Downloads. Obwohl naheliegend, ist von einer erhöhten Kundenfreundlichkeit der neuen DRM-Verfahren jedoch keine Rede.
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