Dauerkonflikt zwischen Mensch und Maschine
Verkehrte Netzwelt: Rechenleistung ist relativ
Internet & Netzwelt
Ich mag meinen PC. Für mich ist er mehr als nur ein schnöder Erbsenzähler, sondern gleichzeitig auch Spielkonsole, Fernseher, Musik-Anlage und Video-Abspieler. Wenn er nicht gerade an einer Hard- oder Software-Krankheit leidet, ist er immer für mich da. Eigentlich die besten Voraussetzungen für eine dauerhaft harmonische Beziehung. Eigentlich - wenn nicht immer eine Kleinigkeit fehlen würde.
Sobald ich einmal wieder in die angenehme wie seltene Situation gerate, mit zu viel Zeit vor dem PC zu sitzen, umschwärmen sie mich wie latent suizidgefährdete Stechmücken eine 300-Watt-Glühbirne: Gedanken darüber, was ich an meinem geschätzten System noch alles besser machen könnte. Das ist in etwa so sinnvoll, wie Monica Bellucci oder Dita von Teese allen Ernstes um eine Schönheits-OP zu bitten. Bei meinem Rechner handle ich mir zwar keine Ohrfeigen an, dafür absolut unnötiges Geldausgeben am laufenden Band.
Perfektion ohne Pardon
Als bequemes Gewohnheitstier und enthusiastischer Gelegenheits-Gamer machte ich mir nie die Mühe, mich nach einer Alternative zu Windows umzusehen. Doch wehe, das Microsoftsche Betriebssystem hat auch nur ein Gramm Fett zuviel. So verbrachte ich viel wertvolle Zeit damit, die Grundlage meines digitalen Alleinunterhalters kräftig abzuspecken. Nach ungezählten missglückten Versuchen, etlichen Software-Neuinstallationen und einigem Fluchen gelingt es mir endlich, die Hintergrundprozesse von Windows XP auf gerade einmal 14 zu drücken, ohne unschöne Konsequenzen in Kauf nehmen zu müssen.
Einerseits sorgt ein Blick in den Task-Manager seitdem immer wieder für Genugtuung, vor allem wenn ich die diesbezüglich hemmungslos überlasteten Rechner der meisten Zeitgenossen bedenke. Andererseits entlastet es nicht nur mein perfektionistisch veranlagtes Gewissen, sondern auch den PC, der darauf hin deutlich schneller auf meine Maus- und Tastaturbefehle reagiert. Zumindest für eine kurze Weile stimmte die Chemie oder vielmehr Physik zwischen uns beiden wieder.
Obwohl mir nun massenhaft Megabyte mehr Arbeitsspeicher zur freien Verfügung standen, wollte ich mich damit noch nicht zufriedengeben. Schließlich sind zwei Gigabyte bestimmt besser als eines und es ließe sich hier und da sicherlich noch die ein oder andere Sekunde Wartezeit einsparen. Nach Bestellung, Bezahlung und Paketeingang eines über 250 Euro teuren Speicher-Pärchens ging es mir gleich wieder besser. Der tatsächliche Geschwindigkeitszuwachs irgendwo im zweistelligen Millisekunden-Bereich, der gefühlte riesengroß.
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