Kollaborative Filter geben Download-Tipps
Tribler: Bittorrent wird sozial
Filesharing
Niederländische Wissenschaftler haben mit Tribler einen Bittorrent-Client geschaffen, der seinen Nutzern Inhalte zum Herunterladen empfiehlt. Die neue Version 4.0 greift zusätzlich auch auf YouTube zu.
Bittorrent-Nutzer sind Herdentiere. Mit schöner Regelmäßigkeit stürzen sie sich auf populäre Filme, TV-Shows und MP3s, die dann blitzschnell von Festplatte zu Festplatte wandern. Bittorrent-Tracker-Webseiten listen dazu bereitwillig Download-Charts, die sich vielfach wie die DVD-Anzeigen eines Media-Markts lesen.

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Screenshot Tribler.com
(Klick vergrößert)
Wer nach weniger populären Inhalten sucht, wird bei BitTorrent jedoch oftmals enttäuscht. Was nicht hip ist, stirbt auf Tracker-Seiten schnell einen stillen Tod und ist danach wegen fehlender Anbieter einfach nicht mehr herunterladbar. Noch schwerer haben es Nutzer, die gar nicht so genau wissen, was sie denn eigentlich herunterladen wollen: The Pirate Bay und Co. eignen sich zwar prima für einen schnellen Download, doch zum Entdecken unbekannter Inhalte sind derartige Plattformen herzlich nutzlos.
Wie Last.fm für Torrents
Abhilfe verspricht ein Bittorrent-Client namens Tribler, der von Forschern der TU Delft entwickelt wurde. Tribler ist so etwas wie das Last.fm der Bittorrent-Welt: Das Programm sucht automatisch nach Nutzern mit ähnlichen Interessen, um personalisierte Download-Tipps zu generieren. Tribler setzt dazu auf eine veränderte Variante des Bittorrent-Clients ABC, die um eine soziale Komponente erweitert wurde. Das Programm baut direkte Verbindungen zu anderen Tribler-Nutzern auf und erstellt dabei eine lokale Liste aller verfügbaren Dateien, die um Ähnlichkeitsbeziehungen ergänzt wird.
Lässt ein Nutzer Tribler für ein paar Stunden laufen, dann bekommt er ein paar hundert bis mehrere tausend Dateien angezeigt. Diese lassen sich dann nach Stichworten durchsuchen. Nutzer können sich zudem Empfehlungen anzeigen lassen, die anhand ihres eigenen Download-Verhaltens generiert werden. Schließlich zeigt Tribler auch an, was sich die Downloader einer bestimmten Datei sonst noch so heruntergeladen haben.
Keine Filter geplant
Die persönlichen Empfehlungen werden um so besser, je mehr man mit Tribler herunterlädt. Ganz unfehlbar ist diese Methode natürlich trotzdem nicht. So empfiehlt Tribler immer mal wieder ohne erkennbaren Zusammenhang nicht jugendfreie Inhalte. Die Macher des Programms haben jedoch nicht vor, derartigen Fehlgriffen durch Filter ein Ende zu bereiten. "Die Filterung von Inhalten ist sehr schwierig", meint Tribler-Sprecher Freek Zindel. Das beste Beispiel dafür seien Spam-Filter, die ja auch ständig ausgetrickst würden.
Unliebsamen Inhalten will Triblers Team deshalb nicht mit Kontrolle, sondern mit einer größeren inhaltlichen Breite begegnen. "Wir wollen es unseren Nutzern mit Tribler ermöglichen, Inhalte aus allen möglichen Quellen auszutauschen", so Zindel. Als einen ersten Schritt hat man deshalb YouTube in die neue Tribler-Version integriert. Nutzer des Programms können nach YouTube-Clips suchen und diese direkt über einen integrierten Player anschauen.
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