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15.05.2007
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Fünf erfahrene Chatter im Interview

Chatsucht: zwischen Zeitvertreib und Zwang

Internet & Netzwelt

Chatsucht: zwischen Zeitvertreib und Zwang

Exzessive Nutzung, Kontrollverlust, steigender Zeitaufwand, mangelndes Problembewusstsein, Entzugserscheinungen und soziale Abgrenzung in der realen Welt - das sind nur einige Merkmale der Chatsucht. Offiziell ist sie zwar nicht anerkannt, trotzdem spielt die Internetkommunikation eine große Rolle im Bereich der Onlinesucht. Einen Schwellenwert zur Einordnung in Neigung und Abhängigkeit gibt es nicht.

Die Beurteilung der eigenen Chat-Gewohnheiten fällt deshalb höchst unterschiedlich aus. Ohne Kenntnis der Abhängigkeitsmerkmale spricht der eine schon bei mäßiger Nutzung von Sucht, während der andere intensiven Gebrauch als ein intensives Hobby ansieht. Fünf Chatter geben unkommentiert Auskunft über Episoden aus ihrem mehr oder weniger stark ausgeprägten Online-Leben. Alle Namen wurde von der Redaktion aus Datenschutzgründen geändert.

Netzwelt: Wart ihr jemals chatsüchtig? Oder seid es noch?

Burkhard: Nein, ganz eindeutig nicht! Ich verbringe zwar viel Zeit im Chat, aber ich vermisse das nie, wenn ich andere Dinge zu tun habe oder im Urlaub bin.
Charlotte: Ich glaube, dass ich mal chatsüchtig war. Aber heute ist das auf keinen Fall mehr so.
Antje: Ich habe mich früher mit meiner Schwester um den Platz am PC gestritten, weil ich unbedingt dran wollte. Mein Rekord lag bei 12 Stunden an einem Tag.
Tamara: Ich habe zwar öfter mal gechattet, aber nicht in dem Maße, dass ich es als Sucht bezeichnen würde. Ich konnte auch drauf verzichten, wenn kein Internetanschluss in der Nähe war.
Harald: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Das war vielmehr so ein Gefühl, dass man etwas verpasst. Es gab Momente in denen ich dachte "XYZ ist heute Abend online, da muss ich dabei sein". Das kann man jetzt vielleicht als "Sucht" bezeichnen.

Netzwelt: Für eine handfeste Sucht-Diagnose müssen noch weitere Kriterien erfüllt sein. Daran will ich mich jetzt aber nicht versuchen. Mich interessiert erst einmal, wie ihr an Chat und dergleichen gekommen seid. Was hat euch gereizt?

Tamara: Ich bin über eine Freundin dazu gekommen. Und es war einfach interessant, Neues auszuprobieren.
Charlotte: Die Leute aus der Schule waren halt auch immer im Chat...
Burkhard: Ganz klar die große Menge "neuer" Leute und die Einfachheit des Kontakts vor allem zum anderen Geschlecht.
Harald: Mit der Zeit hat man immer mehr Leute kennen gelernt. Die wurden irgendwann zu Freunden, auch wenn das eigentlich Unsinn ist.

Netzwelt: Ob Unsinn oder nicht, sei erst einmal dahingestellt. Welche Plattformen habt ihr genutzt?

Charlotte und Tamara: Chat und ICQ.
Harald: Hauptsächlich Foren und IRC. ICQ und MSN sind dazugekommen, um mit verschiedenen Leuten in Kontakt zu bleiben, die einfach zu weit weg wohnen, als dass man kurzerhand mal vorbeifahren kann.
Burkhard: MSN, ICQ, Chatseiten, Foren, E-Mail, SMS, Telefon...alles vertreten.
Antje: Ich habe den Chat genutzt, oft auch SMS.

Netzwelt: Wie groß ist oder war euer Zeitaufwand fürs Chatten?

Burkhard: Im Schnitt zwei Stunden am Tag, wobei ich mit dieser Kommunikation aber auch mitunter meine Brötchen verdiene.
Antje: Momentan fast gar keine. Das Längste waren die erwähnten zwölf Stunden am Tag.
Harald: Acht bis 14 Stunden. Es kommt immer auf den Tag an. Das ist allerdings auch bedingt durch meinen Beruf. Es ist wie mit Gewohnheiten. Irgendwann ist es für einen normal, so lange vor dem PC zu sein und mit anderen Leuten zu chatten.

Netzwelt: Wie sehen denn einzelne Extrembeispiele oder langfristige Verhaltensweisen aus?

Antje: Ein typischer Tagesablauf: Aufstehen, arbeiten, evtl. noch mal vor der Arbeit in den Chat, um nach persönlichen Nachrichten zu sehen, nach der Arbeit direkt an den PC, um zu sehen ob Freunde und Bekannte im Chat sind. Mit dem Hund Gassi gehen, dann direkt wieder an den PC. Mit meiner Schwester verhandeln, wie lange ich noch am PC bleiben kann, bevor sie chatten will, und dann meistens bis 22:00 Uhr gechattet. Fern gesehen habe ich während der Chat-Zeit dafür kaum.
Burkhard: Um mal ein Extrembeispiel zu nennen: aufstehen, chatten, schlafen.
Harald: Noch ein Beispiel: Morgens gegen 14 Uhr aufstehen, etwas zu essen machen und ab vor den Rechner. Lesen, was es Neues in der Welt gibt, Chats aufmachen und Channels joinen. Überall guten Tag sagen und schauen, was so der Tag hergibt. Und dann gegen fünf oder sechs Uhr nachts wieder schlafen gehen, weil man doch langsam müde wird. Geschehen einmal in an einem trüben Wintertag.


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News Flash, am 09.01.2009 04:08

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