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12.05.2007
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Süchtig nach dem Netz

Onlinesucht: Krankheit erkennen und behandeln

Internet & Netzwelt

Onlinesucht: Krankheit erkennen und behandeln

Denken Sie oft an das Internet, auch wenn Sie nicht online sind? Bleiben Sie oft länger online, als Sie sich vorgenommen haben? Können Sie Ihren Internetgebrauch schlecht oder gar nicht kontrollieren? Bekommen Sie vielleicht sogar Entzugserscheinungen, wenn Sie nicht online sind? Wenn Sie eine oder gleich mehrere dieser Fragen mit ja beantworten können, sind Sie vielleicht onlinesuchtgefährdet. Erste Anlaufstellen zur Heilung dieser Krankheit gibt es derzeit vor allem - im Internet.

Sucht erkennen

Was zunächst einmal kurios klingt - schließlich ist der unkontrollierte Umgang mit dem Netz der Netze das Problem - ist oft der einzige Weg für Internetsüchtige, nach Hilfe zu suchen. Oft spielt sich nämlich fast das gesamte Leben der Betroffenen nur noch online ab. Im Internet finden sich auch verschiedene Fragebögen, mit deren Hilfe Anzeichen einer Online-Sucht erkannt werden können. Als einer der sichersten Tests gilt dabei eine Fragensammlung der American Psychiatric Association (APA):

  1. Ich denke an das Internet, auch wenn ich offline bin.
  2. Ich brauche immer mehr Zeit im Internet, um zufrieden zu sein.
  3. Ich bin unfähig, meinen Internetgebrauch zu kontrollieren.
  4. Ich werde unruhig und reizbar, wenn ich versuche, meinen Internetkonsum einzuschränken oder darauf zu verzichten.
  5. Das Internet ist für mich ein Weg, um vor Problemen zu fliehen oder schlechtes Befinden (Hilflosigkeits- oder Schuldgefühle, Angst, Depression) zu bessern.
  6. Ich lüge meiner Familie oder Freunden gegenüber, um das Ausmaß meiner Beschäftigung mit dem Internet zu verbergen.
  7. Ich habe schon Arbeit, Ausbildungs- oder Karrieremöglichkeiten oder Beziehungen wegen des Internets in Gefahr gebracht.
  8. Ich gehe ins Netz zurück, auch wenn ich exzessive Beträge für Gebühren zahlen muss.
  9. Ich bekomme im Offline-Zustand Entzugserscheinungen.
  10. Ich bleibe immer länger online, als ich mir vorgenommen habe.

Werden vier der zehn Fragen mit ja beantwortet, kann bereits eine Online-Problematik vorliegen. Zudem gilt privates Surfen von mehr als fünf Stunden pro Tag als sicheres Warnsignal für eine Onlinesucht.

Treffen kann es dabei jeden. Unabhängig von beruflicher, sozialer oder gesellschaftlicher Stellung kann praktisch jeder Internetnutzer dem Medium verfallen und abhängig werden. Die Ursachen gehen dabei oft auf andere phsychische Störungen zurück. Dr. Werner Platz ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie am Humboldt Klinikum in Berlin: "Nicht selten wird eine Onlinesucht begleited oder ausgelöst durch depressive Erkrankungen, Angsterkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen."

Professionelle Hilfe manchmal schwierig

In diesen Fällen ist professionelle Hilfe sicher der beste Weg, um von der Internetsucht, beziehungsweise einer eventuellen weiteren psychischen Erkrankung geheilt zu werden. Ein Problem dabei: Da Onlinesucht noch eine relativ junge Krankheit ist, wird sie von vielen Krankenkassen oft nicht ohne Weiteres anerkannt. Auch trauen sich viele Ärzte und Therapeuten noch nicht recht, eine eindeutige Diagnose "Onlinesucht" zu stellen. Und nicht zuletzt fehlt es derzeit noch an Spezialisten für diese Krankheit - bei (geschätzten) bis zu drei Millionen Internetabhängigen in Deutschland ist ein Bedarf dabei sicher vorhanden.

"Die Ansprechmöglichkeiten bei Internet-Dependence sind derzeit immer noch begrenzt. Professionelle Hilfe kann grundsätzlich jedoch bei fachkompetenten Psychologen und Psychiatern gesucht werden, die sich mit dem Problem Onlinesucht und deren Folgen beschäftigen. Beispielsweise bietet die Psychiatrische Institutsambulanz II im Vivantes Humboldt Klinikum in Berlin hierzu eine Beratungsmöglichkeit an. Bei einem Gespräch dort wird dann vor allem versucht, den Ursachen des pathologischen Internet-Verhaltens auf den Grund zu gehen. Die Behandlung, etwa einer Depression, wird dann im Sinne einer Komorbidität (Vorkommen von zwei oder mehr diagnostisch zu unterscheidenden Krankheiten, Anmerk. der Redaktion) auch von den Kassen bezahlt", so Dr. Platz.


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News Flash, am 08.01.2009 22:40

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