Köpfe hoch. Immer und überall
Verkehrte Netzwelt: Wolkenverständnis
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"Kannst du das Schloss sehen? Oder den kleinen Mann auf dem Fahrrad?" Verkrampft starre ich jetzt schon über zehn Minuten in den Frühlingshimmel und fange an, an meiner Phantasie zu zweifeln. Ich könnte einfach irgendetwas sagen wie: "Klar sehe ich den Mann, kannst du den Löwen sehen?"
Aber das wäre wirklich nicht fair. Wahrscheinlich geht es den meisten Menschen so. Vielleicht kann man, wenn man nur lang genug nach oben schaut, einfach alles sehen, was man möchte. Immer und überall.
Doch im Moment klappt es leider nicht. Wahrscheinlich hat sie sich das Schloss in den Wolken einfach nur ausgedacht, um die langsam peinlich werdende Gesprächspause zu überbrücken. Luftschlösser. Dabei gibt es hier, am Boden der Tatsachen, genug Dinge, über die man sich eher den Kopf zerbrechen sollte. Der Kopf in den Sternen hilft nicht weiter, wenn der Magen vor Hunger auf dem Boden schleift. Doch sie scheint das nicht zu interessieren.
"Was würdest du dir jetzt in diesem Moment am meisten wünschen?", beginnt sie einen Satz, der schon Millionen Mal von Millionen Lippen geformt wurde. Was soll man darauf antworten? Den Weltfrieden, Gerechtigkeit, Gesundheit, ein Mittel gegen die Erderwärmung vielleicht? "Ein neues Notebook", antworte ich ziemlich emotions- und einfallslos. "Das alte hat den Geist aufgegeben".
"Ernsthaft", sagt sie in gespielt strenger Art und rückt ein gutes Stück näher an mich heran. Und plötzlich kann ich durch die Blätter des großen Baumes ein unglaublich schönes Schloss im Himmel sehen. Es scheint, als ob es ein Grund zum Feiern gibt, denn die meisten Menschen machen fröhliche Gesichter und ein Mann mit einem großen Hut jongliert mit brennenden Keulen. Ich glaube, sie hat mein Lächeln richtig gedeutet. Vielleicht kann man, wenn man nur lang genug nach oben schaut, einfach alles sehen und finden was man möchte. Immer und überall.
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