Macht bei Youtube, Flickr & Co. niemand mit?
Kommentar: Der Mythos vom faulen Surfer
Internet & Netzwelt
Webseiten wie Flickr, Youtube und die Wikipedia sind in den letzten Jahren rasant gewachsen. Einer neuen Studie zufolge bemühen sich jedoch nur die wenigsten ihrer Nutzer um eine aktive Teilnahme.
Die US-Marktforschungsfirma Hitwise verbreitete diese Woche auf einer Konferenz in San Francisco Zahlen, die Verfechter des so genannten Web 2.0 nachdenklich stimmen könnten. So wusste Hitwise-Analyst Bill Tancer zu berichten, dass die Vertreter des Mitmach-Webs im letzten Jahr ein Wachstum von fast 700 Prozent verzeichnen konnten. Doch das Gros dieses Wachstums basiert laut Hitwise eben nicht auf Interaktion, sondern auf passivem Konsum.
Ein Paradebeispiel für diesen passiven Medienkonsum ist laut Hitwise Youtube. Die Marktforscher ermittelten, dass nur 0,16 Prozent aller Youtube-Besuche für des Hochladen eines neuen Videos genutzt werden. In 99,84 Prozent aller Fälle werden einfach nur andere Videos angeschaut.
Fast genau so groß ist dieses Missverhältnis zwischen passivem Konsum und aktiver Beteiligung demnach bei Flickr. Die populäre Foto-Webseite des Yahoo-Konzerns wird nur bei 0,20 Prozent aller Besuche mit neuen Fotos gefüttert. Lediglich Wikipedia verzeichnet mit 4,6 Prozent eine höhere Mitmach-Quote.
Keine Informationen über Nutzungsverhalten
Mit diesen Nummern gibt es jedoch ein kleines Problem: Sie sind in etwa so aussagekräftig wie der Finger im Wind. Dass sich mit ihnen keine relevanten Aussagen über Youtube, Flickr und Co. machen lassen, liegt in erster Linie an der Methodik der Marktforschungsfirma Hitwise. Im Gegensatz zu einigen Konkurrenten erhebt Hitwise seine Daten nicht durch die Befragung von Nutzern oder die gezielte Analyse interner Zugriffsdaten.
Stattdessen misst Hitwise Zugriffe auf Webseiten mit Hilfe von Internet-Zugangsanbietern. Damit kann die Firma zwar Zugriffe verzeichnen, aber nichts über das Verhalten einzelner Nutzer erfahren. Im Fall der jetzt erhobenen Daten bedeutet dies: Hitwise weiß zwar, wie viele Zugriffe Youtube in einem bestimmten Zeitraum verzeichnet hat und wie viele dieser Zugriffe in Uploads resultierten. Die Firma hat jedoch keine Ahnung, wie viele Nutzer tatsächlich Videos hochladen und wie groß die Zahl der passiven Zuschauer ist.
Die Zahlen könnten damit bedeuten, dass jeder Nutzer mehr als 600 Videos anschaut, bevor er selbst eines bei Youtube hochlädt. Oder vielleicht wird Youtubes Datenverkehr zu 90 Prozent von Gelegenheitszuschauern und zu zehn Prozent von Stammnutzern verursacht. Diese Stammnutzer müssten dann lediglich um die 60 fremde Clips für jedes selbst veröffentlichte Video schauen. Bei der typischen Youtube-Cliplänge entspricht dies gerade mal drei bis vier Stunden Netz-Fernsehen. Das klingt doch längst nicht mehr so dramatisch, oder?
Zugegeben: Niemand außer Youtube selbst weiß, ob die Zahl der aktiven Youtube-Nutzer tatsächlich bei zehn Prozent liegt. Fest steht, dass eine Diskrepanz zwischen angeschauten und veröffentlichten Clips oder Fotos bei Mitmach-Angeboten ganz natürlich ist. Wenn Nutzer sich hauptsächlich mit dem Veröffentlichen ihrer eigenen Medien beschäftigen würden, dann wären solche Angebote keine Communities - sondern Plattformen für Autisten.
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