Der Edel-Netzwerkplayer
AppleTV im Test: Apfel-Streamer im Check-up
Patrick Woods
Fütterungszeit: Medien und Formate
Auf der Homepage von Apple verspricht ein Werbeslogan: "Alles, was es in iTunes gibt, gibt es auch auf Ihrem Breitformat-Fernsehgerät". Soweit die Theorie. Die Praxis ist jedoch ernüchternd. Obwohl iTunes selbst schon alles andere als ein Multiformatwunder ist, schafft das AppleTV es, dies noch zu unterbieten. Apple nennt H.264 und MPEG4 als kompatible Videoformate. Im Test war es uns jedoch nicht möglich, normales MPEG4 zum Laufen zu bringen. Obwohl das Video die Voraussetzungen erfüllte und sogar dem Apple-eigenen Codec entstammt, wurde es vom AppleTV schlicht ignoriert.
"Alles, was es in iTunes gibt", stimmt also nicht. Denn dieses akzeptiert immerhin alles, was dem MPEG4-Standard entspricht und im MP4- oder MOV-Container steckt - auch von 3ivX und ffmpeg kodierte Videos. AppleTV lässt hier jedoch nicht mit sich verhandeln. Videos, die ihm nicht passen, werden weder im Menü angezeigt noch auf die interne Festplatte synchronisiert. Eine Meldung in iTunes weist darauf hin, welche Dateien nicht kopiert wurden.
So blieb ausschließlich H.264 als funktionierendes Videoformat übrig. Immerhin akzeptiert es auch Produkte des freien Codecs x264, sodass man nicht auf die langsame Quicktime-Enkodierung angewiesen ist. Mit AVIs oder anderen Formaten und Containern braucht man dem weißen Player jedoch nicht zu kommen, das würde schon von iTunes vorselektiert werden.
Hallo Zukunft - tschüss Gegenwart
MPEG2 hat Apples Ansicht nach ebenfalls nichts auf dem großen Flachbildschirm zu suchen. Schade, denn durch die DVD und das DVB-Fernsehen hat das altmodische Format immer noch enorme Bedeutung. Aber das ist vielleicht zu sehr 20. Jahrhundert für Apple. H.264 ist der kommende Standard für Videokomprimierung und deshalb anscheinend der einzig relevante für Apples Videosektor.
Dass es keine Unterstützung für Windows-Media-Dateien oder Microsofts AVI-Container geben würde, überrascht kaum, dass im Test jedoch nicht einmal normale MPEG4-Dateien akzeptiert werden, ist verwunderlich. Ein einziges praxistaugliches Videoformat ist kaum ausreichend. Nur sehr wenige Videofreaks werden ihre Filmsammlung bereits ausschließlich in diesem Format archiviert haben. Warum das AppleTV so eingeschränkt ist, liegt auf der Hand: Es ist der verlängerte Arm des iTunes Stores. Es kann und soll die Videos aus Apples Content-Markt auf den Fernseher bringen.
Trailer statt Filme und Serien, viel mehr bietet Apple noch nicht.
Dumm nur, dass dieser Store hierzulande noch fast nichts zu bieten hat. Außer Musikvideos und einer Handvoll animierter Pixar-Kurzfilmen gibt es dort nichts. Im amerikanischen Pendant findet man Filme und die neuesten US-Serien. Dort ist die Existenzberechtigung des AppleTV klar begründet. "Wir arbeiten daran, das Angebot an Spielfilmen und TV-Serien 2007 international zu machen", heißt es von Pressesprecher Georg Albrecht.
Der Filmton muss zwingend AAC-Audio sein, sonst verweigert das AppleTV seine Zusammenarbeit. Eine bittere Pille, die Filmfans schlucken müssen, denn digitaler Surroundsound fällt so von vornherein weg. Die Fähigkeit, das leistungshungrige H.264 in den Auflösungen 720p und 1080i darstellen zu können, mag jedoch so manchen Heimkinofreund versöhnen. 1080p bleibt jedoch ausgesperrt und kann auch nicht herunterskaliert oder als 1080i ausgegeben werden.
Die Musikalität hat das AppleTV vom iPod geerbt, es spielt AAC, MP3 und die PCM-Formate WAV und AIFF klaglos ab. Apples eigenes Lossless-Format steht ebenfalls auf der Haben-Seite. Damit wird immerhin bei der Musik der erwähnte Leitspruch "Alles aus iTunes" erfüllt.
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