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13.04.2007
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Das ganze Leben ins Netz übertragen

Justin.tv: Der Mann mit der Kamera

Internet & Netzwelt

Justin.tv: Der Mann mit der Kamera

Seit rund einem Monat überträgt Justin Kan sein Leben ins Netz. 24 Stunden täglich können Menschen auf der ganzen Welt ihm bei seiner ganz persönlichen Version von Big Brother zuschauen. In ganz intimen Momenten wird allerdings schon mal geschummelt.

Justin Kan baut Dosen-Türme im Wohnzimmer seiner Dreiraumwohnung auf. Dann greift er sein Handy, um Freunden ein paar SMS-Nachrichten zu schicken. Später hängt er auf seinem Sofa rum und trinkt mit seinen Freunden Bier, während auf dem Balkon Bratwürste brutzeln. Justins Kans Leben ist nicht eben aufregend. Trotzdem schauen ihm täglich Tausende dabei zu.

Möglich wird dies durch eine drahtlose Kamera, die an der Seite von Kans Baseball-Mütze befestigt ist. Justins mobile Ausrüstung umfasst dazu auch ein Mikrofon, sodass Netznutzer jedes seiner Gespräche belauschen können. Zuschauer können das Geschehen zudem in einem Live-Chat kommentieren und über ein Forum mit Kan kommunizieren.

Fan-Kontakte und Polizeieinsätze

Einige Fans nutzen diese Möglichkeiten, um Kan neue Ideen für seinen Tagesablauf zu geben. So wird ihm empfohlen, doch mal bei einer bestimmten Fast Food-Kette zu essen oder im Tierheim einen Hund zu adoptieren. Manch ein Fan will sich auch einfach nur mit Kan treffen, um an seiner Show teilzunehmen.

24 Stunden, an 7 Tagen in der Woche können Menschen an Justins Leben teilhaben.


Manch ein Zuschauer hat offenbar andere Ideen für Kan. Wenige Tage nach dem Start des Angebots rief jemand die Polizei von San Francisco an und meldete einen vermeintlichen Zwischenfall in der Wohnung der Justin.tv-Produzenten. Die Polizisten stürmten diese daraufhin mit entsicherten Schusswaffen - sehr zum Schock des völlig überraschten Justin Kan und seiner Besucher.

Bis zum bitteren Ende

Trotz solcher Zwischenfälle will Justin Kan sein Experiment nicht so bald abbrechen. Auf der Webseite Justin.tv heißt es dazu, er wolle die Kamera "bis zu seinem Tod" tragen. Finanziert werden soll Justin.tv durch Werbung und Product Placements. Gleichzeitig wollen die Betreiber eine Infrastruktur aufbauen, die auch anderen Nutzern den Betrieb eines eigenen Echtzeit-Video-Feeds ihres Lebens ermöglicht.

Derartige Geschäftsideen kungeln Kan und seine Mitbetreiber in wöchentlichen Business-Meetings aus, für die sie die Kamera dann doch mal abschalten. Schließlich will man möglichen Konkurrenten keine Betriebsspionage in Echtzeit ermöglichen.

Unterbrochen wurde der Live-Feed diese Woche auch, als Kan sich mit einer jungen Dame in ihrem Schlafzimmer vergnügte. Stattdessen bekamen Zuschauer nur ein Standbild zu sehen, das mit dem Soundtrack eines Erotik-Films unterlegt wurde. Justin.tv-COO Michael Seibel rechtfertigte die Abschaltung am nächsten Tag damit, dass man seinen Zuschauern niemals unzensierten Voyeurismus versprochen habe. "Wir wollen keine realen Welten erschaffen", so Seibel. "Wir wollen etwas erschaffen, das Spaß macht."

Autor/in: (jr)


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News Flash, am 08.01.2009 22:37

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