Werbeagentur wollte deutsche Weblogs unterwandern
Parfum mit schlechtem Nachgeschmack
Internet & Netzwelt
In den letzten Wochen mehrten sich auf bekannten deutschen Weblogs nichts sagende Kommentare schreibwütiger Neu-Blogger. Zwei Blog-Betreiber wurden misstrauisch - und entdeckten nach einiger Recherche, dass hinter den bloggenden Jungspunden eine verdeckte Marketing-Kampagne zur Einführung eines neuen Calvin Klein-Parfums steckt.
Ein sehr interessanter Beitrag sei das, erklärt eine unter dem Pseudonym Flyinggirl kommentierende Leserin am Dienstag auf dem bekannten deutschen Weblog Blogbar.de. "So was würde ich gerne in mehr Blogs lesen." Wenig später lobt eine gewisse Miriam im Blog des Journalisten Mario Sixtus dessen tolle Inhalte. Und dann wär da noch Joe, der sich bei MC Winkel über dessen Witze amüsiert.
Joe, Miriam, Flyinggirl alias Alina sowie eine gewisse Katharina und ein Tomek: Sie alle haben in den vergangenen Wochen zahllose deutsche Weblogs heimgesucht, um dort gut gelaunte und freundlich substanzlose Kommentare zu hinterlassen. Immer mit dabei: Links zu ihren eigenen Weblogs. Sie alle haben erst vor wenigen Wochen mit Bloggen angefangen, sich dadurch gegenseitig kennen gelernt und seitdem Linkfreundschaften über die Grenzen von Myspace, Youtube, Flickr und Jetzt.de hinweg geschlossen.
Ein Marketing-Konstrukt
Das einzige Problem daran: Die fröhliche Fünferbande ist eine fiktive Marketing-Schöpfung der Frankfurter Agentur DKD. Auf der Webseite der Agentur heißt es dazu: "Die Kampagne mit inszenierten Blogs, Charakteren und Bildern spricht die Generation der 'Technosexuals' an, um in den Medien der Zielgruppe die Produkteinführung des neuen Dufts CK IN2U zu unterstützen."
Tatsächlich verweisen die fünf fiktiven Blogger immer wieder auf den angeblichen Trend zum Technosexuellen. Auch das Parfum wird gern mal in Nebensätzen erwähnt. Als Werbung wird all dies jedoch nicht gekennzeichnet - auch nicht, wenn die Botschaft des Parfumherstellers in den Kommentarfeldern anderer Blogger verbreitet wird.
Darin sieht Wortfeld.de-Blogger Alexander Svensson denn auch das eigentliche Problem der DKD-Kampagne. "Die 50 Blogger werden sich nicht über Kommentarspam für ein Netzwerk von Fakebloggern freuen", so Svensson. Gemeinsam mit Marco Maas vom Blog Themaastrix.net deckte er am Mittwoch die wahre Identität von Joe, Miriam und ihren Freunden auf. Auf Wortfeld schreibt Svensson dazu: "Die 'technosexuelle Generation' wirkt nach dieser Scharade noch mehr wie ein Marketingkonstrukt, in das sich gerade Blogger nicht pressen lassen wollen."
Der Trend zum Blog-Betrug
Die Calvin Klein-Blogs sind nicht der erste Versuch, Werbung unter dem Deckmantel unabhängiger Blogger zu betreiben. So betrieb die PR-Firma Edelman in den USA ein angeblich privates und Walmart-freundliches Weblog im Auftrag eben jenes Einzelhandels-Riesen. PR-Mitarbeiter eines Ölkonzerns veröffentlichten zudem ein amateurhaft aussehendes Video auf Youtube, das sich über Al Gore und seinen Film "An Inconvenient Truth" lustig macht.
Doch das Inszenieren von Authentizität fällt Werbetreibenden nach wie vor schwer. DKD ließ seine fiktiven Blogger wie aus dem Maschinengewehr geschossen alle paar Minuten neue Texte veröffentlichen, um innerhalb weniger Wochen eine ansehnliche Web-Präsenz aufzubauen. Dabei kopierten die DKD-Mitarbeiter in einigen Fällen auch mal Word-Metadaten in ihre Beiträge.
Letztlich dürfte es jedoch die übertriebene Kommentarwut gewesen sein, die zur Enttarnung der Calvin Klein-Fünferbande führte. Weblog-Autoren bezeichnen ihre Welt gerne als Raum für Gespräche, die sich lose von Blog zu Blog bewegen. Organisierte Schreihälse fallen in so einer Welt zwangsläufig aus dem Rahmen.
Weitere Artikel zum Thema
-
Link Wink: Mit Weblogs per Du
Die Blog-Anleitung für Einsteiger
-
MP3-Blogs: Musik entdecken und downloaden
Neue Musik aus Audioblogs
-
Mobiles Bloggen: Vom Handy ins Internet
Fotos vom Handy sofort auf MySpace & Co
Links zum Artikel
Mehr über: Internet, Blog, Calvin Klein
Diskutieren Sie zu diesen Artikel im Forum!
Neues Thema eröffnen
Der beste Beweis für den Wert von "Web2.0" für die Kultur und die Gesellschaft.
Soziale Netzwerke kann man schwer faken . Freundschaft und Liebe kann man auch net kaufen.
Aber diese Soziale Kompetenz müssen sich viele AlphaTierchen noch aneignen zumal sie in der Heutigen Welt durchaus hinderlich sind.
mfg
nach oben



