Next Generation Konsole
Playstation 3: Linux auf der High-Tech-Konsole
Sascha Hottes
Diese Woche ist es soweit: Kinder und kindliche Erwachsene zoffen sich in Elektronikfachgeschäften um die beiden Controller der neusten Konsole im Schaukasten, dahinter ein große Traube an Schaulustigen, die noch grübeln, ob sie 600 Euro für die Playstation 3 ausgeben möchten. Jüngst gab Sony bekannt, dass die Konsole nicht nur für Spiele geeignet sein wird.
Sony, Microsoft oder Nintendo
Beinahe jedes Magazin hat sie schon verglichen, die drei neusten Spielkonsolen: Playstation 3, XBOX360 und die Wii. Auch netzwelt hat sich den Spielgeräten schon gewidmet, doch eigentlich spielen sie in anderen Ligen. Die Wii versteht sich als elektronisches Gesellschaftsspiel mit hohem Spaßfaktor, steht aber aufgrund geringerer Leistung nicht in direkter Konkurrenz zu den Modellen von Sony und Microsoft.
Der Linux-Pinguin passt auch optisch gut zur PS3
Die beiden "Großen" liefern sich da schon ein engeres Rennen, vor allem da sowohl PS3 als auch Xbox 360 mit den neuen HD-Laufwerken daherkommen. Die Leistung ist vergleichbar und auch im Preis liegen die Konsolen recht dicht beieinander, zumindest, wenn man der Xbox das optionale HD DVD-Laufwerk verpasst. Sony hat zuletzt verlauten lassen, dass die Möglichkeit bestehen soll Linux auf der Playstation zu installieren, Yellow Dog Linux. Das macht die PS3 zu einem vollwertigen Mediacenter. So könnte die PS3 die Nachfolge der ersten Xbox, die noch heute in vielen Wohnzimmern als Mediacenter dient, antreten.
Linux + Konsole = Mediamonster
Über ein Mediacenter verfügen beiden Konsolen zwar schon von Haus aus, aber wer das XBMC der XBOX1 schon einmal bedient hat, wird sich mit den abgespeckten Varianten der neuen Modelle kaum zufrieden geben. Das Mediacenter kann mit externen SMB-Festplatten verbunden werden und spielt jedes bekannte Video- und Audioformat ab. Darüber hinaus können mit Skripten alle möglichen Applikationen ausgeführt werden, wie zum Beispiel YouTube, Webbrowser und ander kleine Tools.
So ist es auch schon gelungen, ein Spiel von einer Blu-ray Disc auf die Festplatte der PS3 zu kopieren, sowie es auch die Xbox möglich machte. Legal ist dies natürlich nur mit den eigenen Spielen und noch können die Spiele nicht direkt von der Platte gestartet werden. Das liegt vor allem daran, dass Linux der Zugriff auf den Grafikchip versagt wird, aber diese Sperre wird erfahrungsgemäß nicht lange halten.
Schnittstellen satt
Die Playstation verfügt über alle erdenklich Anschlussmöglichkeiten: USB 2.0, Bluetooth, WLAN, Gigabit Ethernet und ein Kartenleser sorgen für eine einfache Integration in das heimische Netzwerk. Und im Linuxbetrieb wird es problemlos möglich sein, einen DVB-T-Empfänger anzuschließen um damit Fernsehen zu schauen oder aufzunehmen. Das Laufwerk der PS3 spielt neben den Blu-rays auch DVDs und ganz ordinäre CDs. Internetradio ist natürlich auch kein Problem.
Installation in Bildern
Die ersten Konsolen wurden bereits mit Linux gefüttert und so sieht man Doom und Quake auf der Playstation. Beliebt ist auch die Emulation von Supernintendo-Spielen, es wurde sogar schon vermeldet, dass Windows XP auf einer PS3 ausgeführt wurde. Bei YouTube gibt es den "Beweis" dazu:
XP auf der PS3
Sony erlaubt ausdrücklich den Betrieb eines fremden Betriebssystems. Zusammen mit dem angedachten Produktzyklus von 10 Jahren ergibt das eine optimale Basiskonsole für OpenSource-Entwickler. Es ist also wahrscheinlich, dass sich unzählige Hobby-Programmierer zur Aufgabe machen, Mediacenter und andere grafische Oberflächen zu schreiben. Doch schon die Möglichkeiten mit dem normalen Linux-Desktop sind enorm, die wichtigsten Aufgaben eines normalen Desktop-Computers löst die Linux-PS3 spielend: E-Mail, Web, Fotobearbeitung, Textverarbeitung und Multimedia-Anwendungen - kein Problem.
PS3 spielt High-Definition Videos
Der Preis von 600 Euro ist heftig für ein Spielkonsole, aber die PS3 will mehr sein als das - sie will darüber hinaus Computer und Mediacenter sein. In Anbetracht der Preise für Standalone-Blu-ray-Player relativieren sich die Anschaffungskosten wieder, denn Samsung und Toshiba bieten die Blu-Ray-Spieler für 700 beziehungsweise 1.200 Euro an und diese Geräte spielen keine DVDs oder CDs mehr. Wer bereits zum Europa-Verkaufsstart am 23. März eine Konsole besitzen möchte, sollte schon einmal das Zelt aus dem Keller holen, denn die wenigen Konsolen, die Sony für den Europastart bereitstellt, werden schnell vergriffen sein - Viel Glück.
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