Konzert-Mitschnitte im Netz
Internet Archive: Über 30.000 Live-Konzerte als Gratis-Download
Sascha Hottes
Bootlegs sind seit jeher ein beliebtes Andenken an Live-Konzerte sowie begehrte Sammlerstücke. Das Problem dabei: So schön und qualitativ hochwertig die Mitschnitte auch manchmal sind - die meisten dieser Aufnahmen werden ohne die Erlaubnis der Rechteinhaber aufgezeichnet und anschließend über dubiose Online-Shops, auf Flohmärkten oder in Tauschbörsen verbreitet. Entsprechend bescheiden ist oft die Qualität dieser Aufnahmen. Aus dem Publikum heraus mit einem MD-Rekorder aufgenommen und anschließend als MP3 enkodiert, landen viele Bootlegs als verrauschte Audiofetzen auf CD oder in der Tauschbörse.
Eine legale Basis und vor allem eine deutlich bessere Qualität haben die Bootlegs im Live Music Archive. Das Online-Archiv bietet derzeit rund 36.000 verschiedene Konzerte zum kostenlosen Download an. Alle Mitschnitte stammen von Künstlern, die mit der Veröffentlichung in dem Musikarchiv einverstanden sind - solange die Songs ausschließlich für nichtkommerzielle Zwecke genutzt werden. Die Live-Mitschnitte herunterladen, auf CD brennen, um sie anschließend zu verkaufen, ist im Live Music Archive nicht erlaubt.

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Unscheinbare Oberfläche, jede Menge Songs: Live Music Archive
Das Online-Projekt ist Teil des Internet Archives, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, digitale Daten zu archivieren. Abgesehen vom Live Music Archive ist das Internet Archive auch bekannt für seine Wayback-Machine, mit der es möglich ist, ältere Versionen von Webseiten aufzurufen und anzuschauen. Gemeinsam mit einem weiteren Internet-Projekt, Etree.org, arbeitet man bereits seit mehreren Jahren an dem Archiv für Konzert-Mitschnitte und sammelte in dieser Zeit eine beachtliche Anzahl von Konzerten der unterschiedlichsten Künstler.
Verlustfrei komprimierte FLACs für guten Sound
Ein großer Teil der Bandnamen der für die über 36.000 Konzerte verantwortlichen Künstler dürften den meisten Musikfans jedoch nicht geläufig sein. Nach Künstlern in der Liga von Robbie Williams, Madonna oder den Rolling Stones braucht man im Live Music Archive meist nicht zu suchen. Der größte Teil des Angebotes setzt sich aus den Konzerten kleinerer Independent-Bands zusammen. Trotzdem trifft man beim Stöbern durch das Angebot manchmal auch auf etwas geläufigere Namen wie Jack Johnson, Greatful Dead (denen ein riesiger Bereich gewidmet ist) oder Mogwai.
Die Musikdateien liegen zum größten Teil im FLAC-Format vor. Dieses Dateiformat ist komprimiert und damit von der Dateigröße auch etwas kleiner als eine unkomprimierte WAV-Datei. Anders als beispielsweise beim Kompressionsverfahren von MP3s entstehen jedoch keine klanglichen Verluste beim Umwandeln in das neue Format. Wird eine FLAC-Datei angehört oder auf CD gebrannt, hat sie die gleiche Klangqualität wie ihr Original. Der Nachteil der FLACs: Die Dateigröße schrumpft nicht ganz so stark ein wie bei einer MP3, was zu etwas längeren Downloadzeiten führt.
Neben dem Live Music Archive hält das Internet Archiv für Musikfans auch noch eine Menge anderer Inhalte bereit: Angefangen von jeder Menge Independent-Musik aus Netlabels über verschiedene Radioprogramme bis hin zu Podcasts rund um das Thema Musik oder dem so genannten "Open Source Audio"-Bereich hat das Internet Archive einiges zu bieten. Insgesamt über 116.000 verschiedene Audio-Dateien liegen hier bereit.
Jede Datei kann absolut kostenlos und legal auf den heimischen Rechner geladen werden. Alleine mit dem Stöbern durch die einzelnen Rubriken können Tage und Wochen verbracht werden. Und damit nicht genug: Jeden Monat wächst das gesamte Internet Archive-Projekt um rund 20 Terabyte an Daten - ein nicht unerheblicher Teil davon dürfte auf neue Audiodateien entfallen, die permanent ergänzt werden.
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