Vielbegabter Medienplayer
MP3-Player und Videokamera: Archos 404 Camcorder im Test
Michael Knott
Hat man den Dreh mit den Tasten einmal heraus, weisen großflächige Icons den Weg durch das Hauptmenü. Ein Druck auf die OK-Taste bestätigt den Eintrag. Den Archos in engen Hosentaschen zu bedienen, kommt einem artistischen Kunststück gleich. Im Gegensatz zu älteren Modellen funktioniert die Tastensperre nun tadellos, ein längerer Druck auf die seitliche Display-Taste und sämtliche Drücker des 404 sind gegen unbeabsichtigten Zugriff geschützt. Dennoch - eine mechanische, per Schiebeschalter betätigte ist einer softwarebasierten Tastensperre immer vorzuziehen.
Die gespeicherte Musik zeigt der Player übersichtlich in einer Art Minibrowser an. Sortiert wird sie in verschiedenen Unterordnern wie Interpret, Album, Titel, Genre oder Jahr. In diesen Ordnern sind die Stücke alphabetisch angeordnet, die Originalreihenfolge der CD bleibt hier unter Umständen nicht erhalten. Ein Dateibrowser in einem gesonderten Bereich ermöglicht auch das Abspielen der Originalreihenfolge, so wie sich das der Künstler gedacht hat. Wiedergabelisten lassen sich sehr komfortabel in einem zweigeteilten Bildschirm ebenfalls per Drag-and-Drop anlegen.
Im Musik-Modus lassen sich dauerhafte Lesezeichen setzen, was vor allem Hörspielfreunde zu schätzen wissen dürften. Wird die Wiedergabe unterbrochen, setzt das Stück beim Neustart an gleicher Stelle wieder ein. Im Dateibrowser können sämtliche Daten, ganz gleich welcher Art, gelöscht oder umbenannt werden. Für die Umbenennung blendet das Archos-Menü eine vollständige, virtuelle Tastatur ein.
Ein wahrer Formatekünstler ist der Archos 404 nicht, zumindest was die abspielbaren Musikformate betrifft. Lediglich mit den Endungen MP3, WMA und WMA(DRM) kann unser Testmodell umgehen. Beim ersten Hörtest mit den im Lieferumfang enthaltenen Ohrstöpseln klingt unsere Testwiedergabeliste im Vergleich zu anderen Top-Playern farblos, fast schon langweilig, ohne jeden Biss. Die Bässe sind wenig druckvoll, die Höhen wirken übersteuernd. Der untere Lautstärkebereich ist sehr grob abgestimmt.
Auch mit absoluten High-End-Kopfhörern reißt der vielbegabte Medienplayer die Punkteskala in der Klangwertung nicht viel weiter nach oben. Zwar hauchen Shures E500PTH dem Klang deutlich mehr Leben ein, was aber größtenteils auf die Qualität der Kopfhörer zurückzuführen ist. Am durchschnittlichen Sound des Archos ändern auch die wenigen Einstellmöglichkeiten im Klang-Menü nicht viel. Die Wirkung der fünf voreingestellten Equalizer-Presets ist begrenzt. Immerhin kann der Nutzer an einem frei definierbaren Equalizer selbst Hand anlegen. Effektprogramme wie SRS bietet der Player nicht.
Für den reinen Audiokonsum gibt es bessere, vor allem kompaktere Geräte. Die Stärken des Testkandidaten liegen in der üppigen Gesamtausstattung, mit klarem Fokus auf den Videofähigkeiten. Hier braucht sich der Player nicht zu verstecken. Im Gegenteil - das Gehäuse bildet einen fast perfekten Kompromiss aus relativ großem Bildschirm und für diese Klasse sehr kompakten Abmessungen.
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