Neues russisches Urheberrecht schließt Gesetzeslücke
AllofMP3: Schluss mit den Billig-Songs?
Janko Röttgers
Seit dem ersten September gilt in Russland ein neues Urheberrecht, das Download-Plattformen mit Dumpingpreisen das Leben schwer macht. AllofMp3 will trotzdem weiter machen.
Wer in diesen Tagen bei der russischen Download-Plattform Audiostore.ru nach Musik des RnB-Stars Beyoncé sucht, wird keinen einzigen Song finden. Die Suche nach anderen Pop-Sternchen verläuft nicht viel erfolgreicher. Von Madonna gibt es nur eine Karaoke-CD, Metallica und Eminem glänzen ebenfalls durch Abwesenheit.
Das war nicht immer so. Noch vor wenigen Tagen bot Audiostore.ru zahllose Hits dieser und anderer Erfolgsmusiker an - und zwar zu Preisen, die iTunes alt aussehen ließen. Einzelne Songs gab es bereits ab zehn US-Cent zu kaufen, ganze Alben kosteten meist nicht mehr als ein, zwei Dollar. Ebenfalls bemerkenswert: Die Downloads wurden komplett ohne Kopierschutz im MP3-Format angeboten.
Audiostore war nicht der einzige Anbieter mit derartigen Dumpingpreisen. Eine ganze Reihe russischer Web-Unternehmer bemüht sich seit Jahren mit ähnlichen Download-Shops um eine weltweite Kundschaft. Am bekanntesten ist hierzulande AllofMP3.com - ein Angebot, das vom Landgericht München vor rund einem Jahr als in Deutschland illegal eingestuft wurde.
MP3spy.ru stellt Angebot ein
Der Grund dafür: AllofMP3 & Co. besitzen keine Lizenzverträge der Plattenfirmen für ihre Angebote. In Russland war dies lange Zeit eine geduldete Praxis, da das Urheberrecht keinen Schutz für Musikaufnahmen in digitalen Medien vorsah. Plattformen wie AllofMP3 mussten damit lediglich pauschale Lizenzen erwerben.
Seit dem 1. September ist diese Gesetzeslücke jedoch geschlossen. Wer Musik im Netz verkaufen will, braucht seitdem auch in Russland die Zustimmung des Rechteinhabers. Audiostore.ru zog daraus die Konsequenz, zahlreiche Alben aus seinem Katalog zu entfernen und seine Abrechnung auf Rubel umzustellen. Mitbewerber MP3spy.ru ging sogar noch weiter und stellte seinen Betrieb komplett ein.
Widerstand bei AllofMP3
Eine Reihe anderer Anbieter macht jedoch weiter wie bisher. So hat AllofMP3 öffentlich erklärt, dass sich für seine Kunden in naher Zukunft gar nichts ändern werde - und dann pünktlich kurz vor der Gesetzesänderung die Preise um 50 Prozent erhöht. Die Betreiber der Plattform wollen jetzt direkt Verträge mit Urhebern abschließen, denen sie bis zu 70 Prozent der mit ihrer Musik erzielten Einnahmen versprechen.
Ob sich darauf viele Musiker einlassen werden, ist allerdings fraglich. Zumindest die Musik bekannter Pop-Stars dürfte früher oder später ganz von der umstrittenen Webseite verschwinden. AllofMP3 hat anlässlich der Gesetzesänderung erklärt, dass man aus Prinzip nicht mit den großen Plattenfirmen verhandeln werde. Rechteinhaber könnten jedoch ab sofort der Verbreitung ihrer Werke über AllofMP3 widersprechen.
Möglich also, dass der Katalog der Plattform in den nächsten Monaten deutlich schrumpfen wird. Gleichzeitig versuchen die Branchenverbände der Musikindustrie weiter, gerichtlich gegen AllofMP3 vorzugehen. Das Recht haben sie jetzt auch in Russland auf ihrer Seite. Experten gehen jedoch davon aus, dass sich solch ein Prozess in Russland lange hinziehen könnte.
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Und wie sieht es in der Ukraine (mp3stor) aus?
wahrscheinlich demnächst auch nicht besser. spätestens wenn der ostblock in die eu will, kann die hiesige lobby arbeiten.
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