Kanzlerin auf Sendung
Merkel-Podcast: Der Preis für fünf Minuten Langeweile
Christian Rentrop
Langweiliges Politiker-Geschwafel gibt es in der Regel kostenlos auf Phoenix oder in den Tagesthemen. Ipod-Nutzer hingegen müssen blechen, wenn sie der Bundes-Chef-Langweilerin Angela Merkel zusehen möchten. Nicht direkt, natürlich, sondern aus dem Steuersäckel. Und das ist nicht ganz so billig, wie die Machart des Podcasts vermuten lässt.
Alle Frisur-Witze sind gemacht
Wenn es im breiten Brandenburgisch heißt: "Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger", dann ist wieder Merkel-Time. Alle Witze über Optik und Frisur der ersten deutschen Kanzlerin sind gemacht, ihre Leistungen als Kanzlerin bisher kaum angreifbar. Doch halt, da war doch was: genau, der Merkel-Podcast! Frau Kanzlerin möchte sich progressiv präsentieren. Das hat ihr wahrscheinlich ein PR-Berater angetragen. Ein kleiner Image-Wechsel, weg von Wischmopp-Angie, hin zu einer Kanzlerin, die schneller auf neue Trends reagiert als manch Medienunternehmen. Der Kanzler-Podcast war geboren, Erstausstrahlung: 8. Juni 2006.
"Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger" - Thema des ersten Podcasts war die Fußball-WM. Zehn Tage später die aktuelle Ausgabe. Thema: Elterngeld. Mindestens noch zwei Ausgaben folgen. Kostenpunkt für die ersten vier Ausgaben: 26.000 Euro. Im Paket. Im Anbetracht einer staatlichen Neuverschuldung von sekündlich 2.113 Euro laut dem Bund der Steuerzahler fällt der Preis für den Podcast kaum ins Gewicht. In zwölf Sekunden ist ein Wert erreicht, der die ersten vier Kanzlerinnen-Podcasts komplett abdeckt. Dennoch: Bezahlt wird die Summe aus dem Steuersäckel.
Der Preis für einen professionellen Video-Podcast
Verantwortlich für den Podcast zeichnet sich die Presseagentur RCC und kassiert für den Podcast ordentlich ab. Zwar mag die Summe von 6.500 Euro pro Podcast im Vergleich zu anderen Regierungs-Aktivitäten verschwindend gering sein. Zur Ehrenrettung der Kanzlerin ist das sogar im Vergleich zu anderen professionellen Video-Podcasts günstig: Wie eine Mitarbeiterin der ravenrocker GbR, der Produktionsfirma des erfolgreichen Internet-Fernsehformats "Ehrensenf" gegenüber der Netzwelt versicherte, ist die Produktion einer Folge Ehrensenf inklusive Technik, Personal, Maske, Licht, Recherche und Gags "vermutlich sogar teurer als der Merkel-Podcast."
Warum eine Folge Ehrensenf so teuer ist? Die Lösung ist einfach: Professionelle Gagschreiber sind teuer - ein Utensil, auf das die Kanzlerin Kraft ihres Amtes bisher zum Glück verzichtet. Wobei: Eine witzelnde Kanzlerin im Ehrensenf-Stil auf dem iPod wäre sicherlich mal etwas ganz Neues. Und ganz so ermüdend monoton wäre der Podcast dann auch nicht.
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