Musikindustrie und Apple streiten um Preise - bleiben die Verbraucher auf der Strecke?
Musik-Downloads: Preiskampf um iTunes-Songs
Christoph Scholl
Geiz ist nicht geil! Das denken sich einige Major-Labels und versuchen schon seit mehreren Jahren die Preise für Musik-Downloads in die Höhe zu schrauben. Das erklärte Hauptangriffsziel heißt dabei ganz klar: iTunes Music Store. Rund 80 Prozent der weltweiten Umsätze mit kommerziellen Musikdateien aus dem Netz laufen über den Online-Shop von Steve Jobs. Der würde am liebsten sein Einheitspreismodell beibehalten - 99 cent pro Song und 9,99 Euro (beziehungsweise Dollar) pro Album.
Doch damit haben wiederum die Plattenfirmen ein Problem. Ihr Argument: 99 Cent sind vor allem für ältere Songs viel zu teuer. Diese könnte man doch auch verbraucherfreundlich für deutlich weniger Geld verkaufen. Auf der anderen Seite sind in den Augen der Plattenindustrie 99 Cent für aktuelle Chart-Hits zu wenig. Hier könnte auf den Preis ruhig noch etwas aufgeschlagen werden.
Die beiden Positionen - Steve Jobs und Apples iTunes auf der einen Seite, die Major-Labels (Warner, Universal EMI und SonyBMG) der Plattenindustrie auf der anderen - sind seit den letzten Jahren stark festgefahren. Das könnte sich jedoch bald ändern: 2006 laufen die seit einigen Jahren geltenden Verträge zwischen Apple und der Musikindustrie aus. Diese garantierten Jobs und Co. bisher gleichbleibende Preise für ihre im iTunes Music Store angebotene Musik. Jetzt stellt man sich auf beiden Seiten auf zähe Neuverhandlungen ein. Zu Recht: Bei einem beidseitigen Säbelrasseln in den letzten Monaten rückte bisher keine Partei von ihrem Standpunkt ab, ließ dafür aber jede Menge Unverständnis für die jeweils andere durchblicken.
Bestandsaufnahme: Ist-Zustand bei iTunes und Co.
Bei Apple ist dies kein Wunder. Die günstigen Preise tragen neben dem ausgefeilten iTunes-iPod-Konzept und einer durchdachten Musikabspiel- und Verwaltungssoftware mit dazu bei, dass Steve Jobs seit einigen Jahren weltweit auf der Spitze der Online-Musik-Verkäufer thront. Außerdem könnte das Preiskonzept in einem Download-Shop nicht unkomplizierter sein: Alles kostet einfach das Gleiche. Wer ein Musikstück oder ein komplettes Album bei iTunes kaufen will, weiß im Voraus, dass er dafür 99 Cent beziehungsweise 9,99 Euro ausgeben muss.
Dies ist längst nicht die Regel. Abgesehen von wenigen Ausnahmen (beispielsweise Napster, neben seinem Musikabo), bieten die meisten Download-Shops die Songs so an, wie es die Musikindustrie auch gerne bei Apple sehen würde: Die neuesten Charthits kosten bis zu 1,50 Euro und mehr, ältere Titel sind dafür teils für unter 80 Cent zu haben. Dies ist zwar in den Augen der Musikindustrie der bessere Weg, für die Verbraucher ist das 99 Cent-Einheitspreismodell von Apple jedoch sicherlich einfacher.
Kritiker behaupten seit langem, dass Apple mit diesen Preisen niemals wirtschaftlich arbeiten könne. Sie sehen die Preise im iTunes Music Store lediglich als Zuschuss für Besitzer von Apples erfolgreichem MP3-Player iPod und glauben fest daran, dass Steve Jobs bei jedem verkauften Song kräftig drauflegt - zugunsten des iPods. Denn nur die beliebten iPod-Modelle spielen die iTunes-Songs, zumindest mobil, ab.
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