Wie dezentral sind P2P-Netze wirklich?
Der P2P-Flaschenhals
Janko Röttgers
Wachsender juristischer Druck treibt derzeit immer mehr P2P-Anbieter zur Aufgabe. Die Tauschbörsen-Netze selbst sollten davon aufgrund ihrer dezentralen Architektur eigentlich nicht betroffen sein. In der Praxis entpuppen sich jedoch Host Cache-Server als wunder Punkt, der Netze praktisch über Nacht zum Erliegen bringen kann.
Als sich WinMX Ende September dem Druck der Musikindustrie beugte, war die Überraschung unter seinen Nutzern groß. Das Netzwerk war über Nacht nicht mehr erreichbar. Dabei besaß WinMX seit langer Zeit ein dezentrales P2P-Netz ohne Index-Server. Das Netz hätte damit eigentlich auch ohne die Firma fortbestehen sollen. Doch WinMX besaß so genannte Host Cache-Server, die als eine Art Einstiegspunkt ins Tausch-Netz dienten.
Die WinMX-Software baute beim Start zuerst eine Verbindung zu diesen Servern auf, um sich IP-Adressen aktiver WinMX-Nutzer zu besorgen. Erst mit diesen IP-Nummern war eine direkte Verbindung zum WinMX-Netzwerk möglich. Die Host Cache-Server standen unter Kontrolle der WinMX-Betreiber - und wurden mit deren Abtauchen ebenfalls vom Netz genommen.
Dieses Problem ist nicht neu - und auch nicht WinMX-spezifisch. So setzen auch die beiden P2P-Programme Piolet und Blubster auf Host Caches. Auf den Webseiten der beiden Programme heißt es, diese "Gateways" seien über die ganze Welt verteilt. Ob sie von dem Blubster- und Piolet-Besitzer Optisoft betrieben werden und was im Falle einer Aufgabe Optiosofts mit ihnen geschieht, ist jedoch unklar.
Gnutella-Programme nutzen ebenfalls Host Cache-Server zum Aufbau einer Netzwerkverbindung. Derzeit existieren zwischen 60 und 80 derartige Server. Einige davon werden von Firmen wie Xolox oder Bearshare betrieben, andere von P2P-Enthusiasten. Die Hauptlast wird in der Regel von nicht viel mehr als 20 Servern übernommen.
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Ähnlich wie im Gnutella-Beispiel sieht's bei eMule aus: Zusammen mit der Kademilia-Implementierung wird auch stets eine "nodes.dat"-Datei ausgeliefert, die ein paar IPs von Peers enthält, von der auch immer welche funktionieren. Sollten irgendwann eD2K-Server dichtgemacht werden, wird man sich auf den einschlägigen Seiten halt keine server.met-Dateien mehr runterladen können, sondern nodes.dat-Files.
das ist eben das problem der industrie: die netzwerke sind teilweise selbstläufer und können nicht platt gemacht werden. da müsste schon jemand den stecker vom internet ziehen und neu booten... :saumuede:
In Gnutella wurden allerdings die GWebCaches vor kurzem durch ein neues System ergänzt: UDP-HostCaches, so dass zumindest LimeWire ( http://limewire.org ) und Phex ( http://phex.org ) einen Zusammenbruch der GWebCaches zwar nicht ohne Kratzer aber doch recht gut überstehen sollten.
Arne
- http://gnufu.net - Gnutella für Benutzer (Ein einfacher Leitfaden)
- http://draketo.de - Geschichten, Gedichte, Lieder und krude Ideen
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