Wenn OS X auf Standard-Hardware läuft
Im Test: Der selbstgebaute Intel-Mac
Michael Knott
Dabei ist der Faktor "Emulation" aber schon jetzt ein wenig zu vernachlässigen: Die meisten Programme sind bereits als Universal Binaries verfügbar, also sowohl an Intel-, als auch an PowerPC-Architekturen angepasst. Vor allem die Share- und Freeware-Szene war in dieser Hinsicht schnell, alle wichtigen Helferlein wie Cyberduck, VLC, Firefox, Thunderbird oder SubEthaEdit sind bereits an Apples neue Technologie angepasst und laufen auf dem Hacker-System entsprechend flott. Es ist zu erwarten, dass die Mainstream-Hersteller Microsoft, Adobe und Macromedia spätestens mit dem ersten offiziellen Release eines Intel-Macs nachziehen werden.
Multimedia-stark mit kleinen Schwächen
DivX-Filme, unter schwächeren Macs immer wieder ein Problem, laufen auf der Intel-Basis dank des Videoplayers VLC endlich ruckelfrei, andere Tools machen Probleme, vor allem die Grafik ist besorglich. Die bleibt zwar nicht hängen, es kommt aber immer wieder zu Grafikfehlern in der Aqua-Oberfläche. Da bleiben Programme sichtbar, die schon längst beendet wurden, verschobene Fenster bilden eine Spur, die nicht so recht vom Bildschirm verschwinden möchte. Diese Spuren verschwinden allerdings, wenn der Rechner einige Sekunden Bedenkzeit bekommt.
intelmac
Intel-Mac im TestApropos Bedenkzeit: Während des Tests lief die gesamte Zeit über iTunes 5 im Hintergrund und spielte Musik. Bei anspruchsvolleren Aufgaben, zum Beispiel dem Öffnen von Programmpaketen, kam iTunes ins Stottern, die Musik begann zu "ruckeln", wie man es von langsamen PCs kennt. Das darf bei 3,4 Gigahertz eigentlich nicht passieren. Michael T. dazu: "Die Ursache dafür habe ich noch nicht gefunden. Laut xBench liefert der Rechner eine mit einem Powermac G5 vergleichbare Performance. Was fehlt ist die Altivec-Unterstützung des G4, weshalb sich die Werte nicht direkt vergleichen lassen." Zwar unterstützt Mac OS X bereits SSE3, das Pentium-Pendant zu Altivec, mit der Umsetzung von Altivec nach SSE3 hapert es aber offensichtlich noch etwas.
Lieber einen echten Mac
Trotz der wenigen offensichtlichen Mängel kann Mac OS X am PC den Mac-Hacker begeistern. "Man kann völlig normal damit arbeiten", sagt Michael T. Die längste Uptime waren sieben Tage, danach habe er den Rechner von sich aus neu gestartet. Nicht, weil es Probleme gab, sondern weil ein Transport es nötig machte, das Gerät auszuschalten. Grinsend verteilt einen Seitenhieb an Microsoft: "Das System läuft stabiler als Windows XP!" Und das, obwohl es sich um eine doppelt und dreifach gehackte und gepatchte Vorversion eines Betriebssystems für Spezial-Hardware handelt. Aber Windows-Nutzer kennen das ja, immerhin ist diese Vorgehensweise Microsoft-Standard, mit dem Unterschied, dass es sich dabei um die offizellen Endkunden-Versionen handelt.
"Mac OS X hat mich überzeugt", so T., "das System läuft besser als jedes Windows und ist schöner als Linux." Trotzdem hätte er lieber einen echten Mac, das Design und die Integration gefallen ihm besser als seine eigene Bastel-Lösung: "Wenn die Preise niedriger wären, hätte ich mir schon längst einen Powermac gekauft. Jetzt warte ich wegen des Umstiegs auf Intel ab, man will ja keine veraltete Hardware kaufen." Es sei schon besser, ein fertiges Komplettsystem zu haben, zumal die gepatchte Mac OS X-Version einige Probleme macht. "Wer beispielsweise das Start-Volume ändert, zerschießt sich Windows und Mac OS X auf einen Schlag." Er ist nicht der einzige Apple-Hacker, der lieber einen echten Apple hätte: "Im Forum vom OSX86Projekt sind bestimmt 90 % der Anwender dieser Meinung." Was vermutlich auch der Grund ist, warum Apple die Hacker gewähren lässt.
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