Alte Strukturen gegen neue Ideen
Lohnen sich Musik-Abo-Dienste in Deutschland?
Sascha Hottes
Die Geschäftsidee klingt vielversprechend und fair: Unlimitiert Musik hören für eine pauschale Gebühr. Wenn Sie doch einen Titel auf CD brennen möchten, dann sind 79 Cent fällig. In Deutschland ist das leider (bisher) nur Fiktion. Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, warum das so ist?
Wer in Amerika wohnt, der kann auf Musikdienste wie Napster oder Rhapsody zurückgreifen, die für eine Pauschal-Gebühr rund um die Uhr Musik spielen. Dabei kann auf das gesamte Sortiment von über eine Million Titel zurückgegriffen werden. Napster-To-Go erlaubt sogar das Überspielen auf Windows-Media-10-fähige MP3-Player (Samsung, Creative, iriver, mpio, Rio). Dafür zahlt der Kunde eine Abo-Gebühr - mehr nicht.
Aber warum gibt es solche Dienste nicht in Deutschland? Die Frage ist relativ leicht zu beantworten: Weil es ein viel zu hohes finanzielles Risiko für die Musikdienste ist. Woran das liegen könnte, zeigt unser Rechenbeispiel anhand eines fiktiven Abo-Dienstes, dem "Netzwelt-Music-Flat-Shop", der in der Beethoven-Stadt Bonn seinen Sitz hat.
Ein Rechenbeispiel
Ein fairer Preis für eine solche Musikflatrate wäre 9,99 Euro, analog zu den amerikanischen Preisen. Damit hätten die Kunden Zugriff auf den Gesamtkatalog und könnten Musik hören wie es beliebt. In unserem Netzwelt-Music-Flat-Shop sieht die vereinfachte Rechnung beim Stream-Verkauf so aus:
Die vereinfachte Rechnung
Bruttoeinnahmen
- MwSt
- Payment-Gebühren
= Nettoeinnahmen nach Einmalkosten
Davon müssen die pro Stream anfallenden Kosten bezahlt werden:
- Anteil Label
- GEMA
- Traffic-Gebühren
= Kosten pro Stream
Mit dem Deckungsbeitrag muss das Netzwelt-Team noch einige Fixkosten zahlen. Zum Beispiel Marketing, GEMA-Prelistenings, Redaktion, Entwicklung, Server-Infrastruktur, Rücklastschriften, Einmalkosten für die Bereitstellung, Patente und andere Lizenzen. Kurzum, eine ganze Menge, die man erst mit richtig vielen Flatrate-Kunden bezahlen kann.
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