Anonyme Mailstrategien durchleuchtet
Tutorial: Anonym Mailen, aber richtig!
Michael Knott
Beispiele
Von dieser Stelle an ist es für den Empfänger nur noch möglich, die Adresse des Remailers im Header ausfindig zu machen, nicht aber den Verfasser der Originalnachricht. Dessen Informationen liegen, der Remailer-Mailadresse zugeordnet, auf dem Remailer. Entsprechend wichtig ist es, sich einen Remailer zu suchen, der sich außerhalb der Rechtswirksamkeit des eigenen Landes befindet.
Ein Beispiel: Meinungsfreiheit ist wichtig. Vielleicht möchte Carlos aus Kuba seiner Regierung mal so richtig die Meinung sagen. Tut er das in einer internationalen Newsgroup unter seiner E-Mail-Adresse, könnte es sein, dass nächste Woche der Staatsschutz vor der Tür steht und ihn bittet, mal für ein paar Tage seine Koffer zu packen. Das muss natürlich nicht sein, deshalb greift er zum Remailer.
Rebellion auf Kuba
Von seiner Adresse, vielleicht Carlos@Cuba.cu, schickt Carlos seine Nachricht an den anonymen Remailer, natürlich außerhalb von Kuba, damit der Geheimdienst seines Landes auf diesen Server keinen Zugriff hat. Der Remailer vergibt die Tarnadresse samt falschen Header und schickt die Nachricht an die Newsgroup. Von hier aus ist Carlos nun nicht mehr greifbar.
Doch was, wenn jemand Carlos unterstützen möchte? Wie kann er Carlos erreichen? Auch hier schafft der Remailer Abhilfe: Er hat Carlos echte Mailadresse seiner Tarnadresse zugeordnet. Schreibt nun jemand an die Tarnadresse, erhält Carlos die Mail, allerdings ebenfalls anonymisiert. Denn Remailer funktionieren normalerweise in beide Richtungen. Da sich aber am Inhalt nichts ändert, müssen die nötigen Kontaktinformationen eben dort einfließen. Außerdem können sich sowohl Carlos, als auch sein Unterstützer problemlos über die Tarnadressen unterhalten.
Tarnadressen in beide Richtungen
Die Vorgehensweise mag kompliziert erscheinen, sichert aber die Anonymität des einzelnen. Allerdings lässt sich der Remailer auch problemlos missbrauchen. Einerseits kann er jederzeit als "Spitzel" eingesetzt werden, sprich mit einem Programm ausgestattet werden, das den gesamten Mailkontakt aushorcht. Wesentlich gefährlicher allerdings ist die Zuordnung von Tarnadressen zu echten E-Mail-Adressen. Hier liegt der Schwachpunkt des Remailers. Denn sobald sich jemand Zugriff auf diese Daten verschafft, ist er in der Lage, jeder Tarnadresse die reale Adresse zuzuordnen.
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