Der Tod des Mediums naht
Email: Schrecken mit Ende oder Ende ohne Schrecken?
Christian Rentrop
Das wohl ältestes Online-Kommunikationsmittel Email steckt in der Krise. Nicht nur, dass Spam und Viren die elektronischen Postfächer verstopfen, nein. Da gibt es auch noch ein anderes Problem, alt wie das Medium selbst, aber brisanter, als manch einer sich vorstellen möchte. Die Rede ist von der Daten-Sicherheit des Mediums Email an sich.
Von Berlin in die Südsee
Dabei ist es so einfach, und das ist auch der Erfolg der E-Post: Nachricht schreiben, Email-Adresse angeben, auf "Senden" drücken und binnen Sekunden landet die Nachricht am anderen Ende der Welt. Effiziente Datenwege wie Glasfaser-Kabel und schnelle Mailserver lassen die Nachrichten fast mit Lichtgeschwindigkeit um die Welt zischen, und das völlig kostenlos.
Doch das Internet ist eine böse Datenfalle. Eine Email passiert auf ihrer Reise von Berlin nach Tuvalu Dutzende von Servern und jeder Server ist in der Lage, den elektronischen Datenverkehr nicht nur zu lesen, sondern auch unbemerkt zu kopieren, zu archivieren und analysieren oder gar einfach zu blocken. Letzteres kommt zwar nur in den seltensten Fällen vor, doch die allerorts installierten Spam-Filter machen den Email-Verkehr langsam zu einem Glücksspiel, bei dem niemand weiß, ob der Empfänger die Nachricht tatsächlich erhalten hat.
Die Macht das AdminDas allerdings ist Nebensache. Wichtiger ist die Tatsache, dass die Email auf jedem Rechner, den sie passiert gelesen werden kann. Von jedem, der Zugriff auf den entsprechenden Rechner hat. Und das sowohl im Intra- als auch im Internet. Mailserver-Admins können sich also problemlos einen Überblick verschaffen, wer im Büronetzwerk über wen lästert. Das gleiche gilt für das Internet, mit dem Unterschied, dass dort die Datenflut so gigantisch ist, dass automatische Systeme den Briefverkehr sozusagen vorsortieren müssen.
Trotzdem liegt jede Email erst einmal im Klartext vor. Hinzu kommt das Problem, dass der Empfänger bekannt sein muss, der Absender hingegen einen x-beliebigen Mailserver mit einer x-beliebigen Email-Adresse benutzen kann, um die Mail zu versenden. Aus dieser Tatsache resultiert auch ein großer Teil des Spam- und Viren-Problems, das von den diversen Freemail-Anbietern noch zusätzlich verschärft wird.
Email = PostkarteAm besten lässt sich die Email zur Zeit mit der klassischen Postkarte vergleichen: Absender-Adressen sind keine Pflicht, jeder, der die Karte in die Finger bekommt, kann sie lesen, ohne dass es der Versender oder Empfänger mitbekommen. Und: Ist die Postkarte falsch adressiert, kommt sie niemals an, wo sie hin sollte, sondern verschwindet, wenn sie denn amüsant war, wohl im Kuriositäten-Archiv der Post.
Zur Lösung des Problems gibt es zwei Ansätze: Erstens muss die Email vom Postkarten-Status hin zur Wertigkeit eines elektronischen Briefes, der nur durch Umgehung eines virtuellen Briefumschlags gelesen werden kann und damit unter das zumindest in Rechtsstaaten verbindliche Postgeheimnis fallen würde. Dieser Briefumschlag lässt sich in Form von Verschlüsselung realisieren.
Mehr über: Sicherheitslücken, Software, Mailer
-
Test: Das Spam-Experiment
Ein Autor, ein Mailprogramm und ein Monat Spam -
Ratgeber: Den SPAM-Overkill vermeiden
SPAM dort bekämpfen, wo er entsteht: Im inneren des Internets -
Email - Nie ohne Gummi
Der Träger des Übels
Diskutieren Sie zu diesen Artikel im Forum!
Neues Thema eröffnen
Email: Schrecken mit Ende oder Ende ohne Schrecken?
Was sagen Sie dazu?
Diesen Artikel verlinken
Dieser Artikel steht unter einer Creative Commons-Lizenz.
nach oben








